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Kurse für Professoren : Cambridge impft sich gegen Rassismus

In Cambridge gibt es jetzt Anti-Rassismuskurse für Professoren Bild: AFP

Gleichheit und Vielfalt: In Cambridge soll Professoren und Dozenten einer der renommiertesten Universitäten der Welt ins Bewusstsein gerufen werden, wie wichtig diese Begriffe sind und was sie bedeuten.

          3 Min.

          Die Universität Cambridge ist sich des Sozialverhaltens ihres geisteswissenschaftlichen Lehrkörpers unsicher. Handelt es sich womöglich durchweg um unbewusste Rassisten? Im vergangenen November hat sie darum beschlossen, alle Mitglieder der „Arts and Humanities“-Schule zur Teilnahme an Kursen zu verpflichten, die unter Überschrift „Equality and Diversity“ stehen. Soeben ist ein entsprechender Brief an die Betroffenen versendet worden. Der Leiter der Geisteswissenschaften in Cambridge, der germanistische Mediävist Chris Young, teilt darin mit, die Lehrenden hätten sich durch Online-Sitzungen und Zoom-Konferenzen in vier Richtungen weiterzubilden.

          Jürgen Kaube
          Herausgeber.

          Eine Trainingseinheit betrifft die wesentlichen Begriffe: Gleichheit und Vielfalt. Professoren und Dozenten einer der renommiertesten Universitäten der Welt soll durch Online-Texte ins Bewusstsein gerufen werden, wie wichtig diese Begriffe sind und was sie bedeuten. Ein zweiter Kurs soll sie dann über die unbewussten Fehlerquellen unterrichten, die zu nichtobjektivem, also vorurteilsbehaftetem Verhalten führen. Unbewusst sind die Fehler dabei in doppeltem Sinne: Verborgen denen, die sie begehen, aber auch verborgen allen anderen, denn es wird ja nicht bei empirischem Fehlverhalten angesetzt, sondern pauschal unterrichtet. Fachspezifische Vorurteile kommen ebenfalls nicht in den Blick, der Kurs dauert eine Stunde und richtet sich unterschiedslos an alle Fächer.

          „Weiße Alliierte“

          Es folgt ein zweiteiliges Seminar, das aus den Teilnehmern „Weiße antirassistische Alliierte“ (white allies) machen soll. Das scheint darauf hinzudeuten, dass die Einladung doch nicht an alle Forscher geht, sondern nur die Hellhäutigen unter ihnen als Kursteilnehmer vorgesehen sind. Andererseits wird der Kurs von Joanna Jasiewicz gehalten, für die zwar als Beruf „Gleichheits- und Diversitätsberaterin“ angegeben wird, die aber ihrerseits im strengen Sinne nicht aus der BAME-Gruppe (Black, Asian and minority ethnic) stammt, für die mittels solcher Veranstaltungen mehr Verständnis und Unterstützung gewonnen werden soll.

          Schließlich ist die Teilnahme an einem Seminar „Wo ziehst du die Grenzlinie?“ obligatorisch, in dem, ebenfalls angeleitet durch Berater, Möglichkeiten untersucht werden, Mobbing, Belästigung und sexuelle Übergriffe zu verhindern. Der Titel dieser Veranstaltung könnte auch für das ganze Unternehmen gelten.

          Vor einiger Zeit schon hatte Cambridge den Versuch einer „umgekehrten Mentorenschaft“ unternommen, bei dem weiße Lehrkräfte durch solche aus der BAME-Gruppe in puncto Rassismus unterrichtet werden sollten. Auch diese Maßnahme war von der Überzeugung getragen, man müsse nicht auf entsprechende Taten oder Äußerungen warten. Das Weißsein allein erzeugt hier schon einen Umerziehungsbedarf. Weiße sähen die Probleme der Nichtweißen nicht. Das kann sein, aber das gilt für die Probleme der Schüchternen oder der Süchtigen bei denen, die es nicht sind, auch.

          Umgekehrt dürften Mitglieder der Universität Cambridge insgesamt Schwierigkeiten haben, sich als nicht-privilegiert darzustellen, ob sie nun Mentoren oder Mentierte sind. Der Versuch des „reverse mentoring“ jedenfalls geriet in Schwierigkeiten, wie es hieß, aufgrund der mangelnden Einsatzbereitschaft oder Ernsthaftigkeit der Betreuten. Die Mentoren ihrerseits fühlten sich emotional überfordert; womöglich auch damit, Leuten, die nicht im Gefühl leben, schwere Unterrichtsfehler begangen zu haben oder blind gegen Rassismus zu sein, eben dies klarzumachen.

          Spielraum für Sanktionen

          Für Personen, die im Diversitätsmanagement oder der Anti-Mobbing-Beratung arbeiten, ist es günstig, wenn sie nicht auf Fälle warten müssen, sondern alle zur Prophylaxe einbestellen können. Vom Rassismus heißt es zwar, er sei „strukturell“, aber wie er sich unter dieser Voraussetzung durch Kurse an Einzelnen wegerziehen ließe, ist nicht leicht zu sehen. Es soll auch Noten für die Kurse geben, die aber, heißt es, nur zu statistischen Zwecken ausgewertet werden. Wer flächendeckende Problemlösungen durchgesetzt hat, ohne zuvor flächendeckende Probleme mehr als definitorisch – „Es gibt eine Mehrheit weißer Lehrkräfte, also muss etwas getan werden“ – nachgewiesen zu haben, mag auch hier noch Spielraum für Sanktionen finden. Oder die Ausweitung der Gerechtigkeitskurse betreiben.

          Ob dann wohl irgendwann herausgefunden wird, was das Ganze über die Schaffung von moralischen Arbeitsplätzen, den Zeitverbrauch, zusätzliche Bürokratie und die Entnervung der Dozenten hinaus geholfen hat? Vielleicht ist am Ende das gute Gewissen der Gerechtigkeitsabteilung, alles, aber auch wirklich alles getan zu haben, der größte Ertrag.

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