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Burka-Verbot : Der Schleier der Fundamentalisten

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Bild: picture alliance / dpa

Der muslimische Ganzkörperschleier ist nicht nur zutiefst menschenverachtend, sondern er bedeutet auch den totalen Sieg des politisierten Islam. Burka, Nikab und Tschador gehören deshalb verboten - fordert Alice Schwarzer.

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          Als das französische Parlament am Vorabend des 14. Juli das Verbot der Burka in der Öffentlichkeit beschloss, enthielten sich – bis auf zwanzig Abweichler – die Sozialisten, Kommunisten und Grünen der Stimme. In der Kopftuchdebatte scheint die politische Front in allen europäischen Ländern ähnlich zu verlaufen: Linke neigen zur Tolerierung, Konservative und Rechte zum Verbot. Und die Bevölkerung?

          Zweiundachtzig Prozent der Französinnen und Franzosen bejahten das Burka-Verbot. Und die Mehrheit der sechs Millionen Muslime in Frankreich ist ebenfalls dafür. Auch das entspricht der Stimmung in der Bevölkerung der westlichen Länder.

          Wie auch in Belgien muss das Gesetz in Frankreich nun nur noch den Senat passieren. Dann wird in Zukunft eine Frau, die in Frankreich öffentlich vollverschleiert auftritt, mit einhundertfünfzig Euro Strafe und einem Kurs in Staatsbürgerkunde rechnen müssen. Männern, die ihre Frau unter die Burka „zwingen“, drohen ein Jahr Gefängnis und Geldstrafen von bis zu dreißigtausend Euro – was allerdings reine Theorie ist. Denn eine Frau, die so unterwürfig ist, in dem schwarzen Loch eines Vollschleiers zu verschwinden, wird wohl kaum die Aufsässigkeit haben, ihren Mann wegen Burka-Zwangs anzuzeigen.

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          Als die Burka-Debatte in Frankreich im Jahr 2009 begann, angestoßen von einem kommunistischen Bürgermeister, behaupteten die Burka-Tolerierer zunächst, im ganzen Land gebe es überhaupt nur einhundertsechsundfünfzig Burka-Trägerinnen, von daher sei ein Verbot irrelevant. Inzwischen ist ihre Anzahl in der offiziellen Statistik auf zweitausend angewachsen. Wobei bemerkenswert ist, dass mindestens jede dritte Verschleierte in Frankreich eine Konvertitin ist. In der Regel verdanken deren muslimische Ehemänner der Eheschließung mit ihnen die französische Staatsangehörigkeit.

          So ist es auch im Fall des Algeriers Lies Habbadj, dessen vollverschleierte französische Ehefrau Anne die Burka-Debatte in Frankreich auslöste. Ein Polizist hatte ihr eine Geldstrafe aufgebrummt wegen Fahrens am Steuer im Nikab, dem Vollschleier, der nur für die Augen einen kleinen Schlitz im Gesicht frei lässt. Ihr Ehemann ist ein aktiver Anhänger der schriftgläubigen Missionarssekte Tabligh. Der Metzger in Nantes wurde schon länger vom französischen Geheimdienst beobachtet, weil er sich seit Jahren regelmäßig wochenlang in Pakistan aufhält.

          Ein taktisch agierender Islamist

          Habbadj hat übrigens noch drei weitere Ehefrauen, mit denen er jedoch nicht nach französischem, sondern nur nach islamischem Recht verheiratet ist. Als die Justiz ihn wegen Polygamie anklagen wollte, ging der offenbar gut Geschulte cool an die Öffentlichkeit und erklärte, dann müssten aber auch die vielen französischen Männer, die Geliebte haben, der Polygamie angeklagt werden. Lies Habbadj ist also keineswegs ein naiver Gläubiger, sondern ein taktisch agierender Islamist, für den das Strafmandat seiner Frau vermutlich ganz in seinem Sinne war, da er auf Provokation des Rechtsstaates aus zu sein scheint.

          Ganz wie einst die Deutsch-Afghanin Fereshta Ludin, die für das Recht von Lehrerinnen auf das Kopftuch in der Schule über acht Jahre lang bis zum höchsten Gericht klagte. Oder wie im Fall der sogenannten „Kopftuchaffäre“, die im Jahr 1989 Frankreich beschäftigte. Da hatten politisch einschlägig aktive Väter und Onkel drei kleine Mädchen provokant mit Kopftuch in die laizistische Schule geschickt – und damit eine jahrelange Debatte ausgelöst, in der sich quasi die gesamte Linke für das Kopftuch aussprach.

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