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Hungersnot in der Ukraine : Soll der Holodomor als Völkermord anerkannt werden?

  • -Aktualisiert am

Hunger im Blick: Gedenkstätte für die Opfer des Holodomor in Kiew Bild: Picture-Alliance

In der Ukraine sind 1932/33 unter Stalin Millionen Menschen verhungert. Eine Petition im Bundestag fordert die Anerkennung der Katastrophe als Völkermord. Doch der Petitionstext ist problematisch. Ein Gastbeitrag.

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          Der Bundestag wird sich in naher, wenngleich terminlich nicht bestimmbarer Zukunft mit einer Genozid-Resolution beschäftigen müssen. Es geht um die Anerkennung der großen Hungersnot 1932/33 in der Ukraine als Genozid an den Ukrainern. Die Katastrophe ging als Holodomor (Tötung durch Hunger) in die Geschichte ein. Doch der Petitionstext ist problematisch; ob es sich beim Holodomor um einen Genozid an den Ukrainern handelt, ist umstritten; die für eine fachliche Beurteilung des Geschehens anzusprechende Deutsch-Ukrainische Historikerkommission ist gelähmt; der Botschafter der Ukraine in Deutschland hat die Kommission und ihren ukrainischen Ko-Vorsitzenden angegriffen. Und warum soll sich der Bundestag damit auseinandersetzen?

          Die Petition spricht vom „Hunger-Genozid“ in Gegenden, wo „überwiegend ethnische Ukrainer gelebt haben“. Sie führt drei Argumente an, warum das Geschehen als Völkermord an den Ukrainern anerkannt werden soll. Erstens handele es sich um eine „künstliche, organisierte Hungersnot“, die eine „Nation von Landwirten dem Hungertod ausgesetzt hat“. Zweitens sei die Tat von Stalin angeordnet worden, um den Widerstand der Ukrainer gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft und die Vernichtung des kulturellen und religiösen Lebens der Ukrainer zu brechen. Drittens wird auf entsprechende Anerkennungen in 23 nicht namentlich genannten Ländern verwiesen. Die Zahl der Opfer wird mit sieben bis zehn Millionen angegeben.

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