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Buch über eskalierende Gewalt : Wie die Welt aus den Fugen gerät

Kampf für Gerechtigkeit: In Santiago de Chile eskaliert die Gewalt. Bild: AFP

Was passiert, wenn sich die Benachteiligten global vernetzen und gegen die Ungleichheit erheben? Der Autor Lucas Fassnacht denkt in seinem Buch die Protestbewegungen unserer Zeit weiter. Die Realität ist ihm auf den Fersen.

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          Herbst 2019: In Hongkong gehen die Menschen mit Stöcken und Atemmasken auf die Straße, schlagen Fensterscheiben ein und werfen Steine nach Polizisten. In Chile sterben bei Demonstrationen und Aufständen fünfzehn Menschen, Geschäfte werden geplündert, Bankgebäude demoliert. Fünfhundert gutorganisierte katalanische Aktivisten liefern sich in Barcelona, flankiert von Sympathisanten, Kämpfe mit der Polizei, belagern öffentliche Orte und verwüsten Supermärkte. Britische Umweltaktivisten blockieren Straßen, Brücken, Flughäfen und zünden Autos an. In Brasilien hat sich so viel Wut über die selbstgefällige politische und gesellschaftliche Elite angestaut, dass Hunderttausende auf die Straße gehen. Die Stimmung ist kämpferisch. Eine Gruppe junger Aktivisten hat den Einfall, mit einem Bulldozer in den Präsidentenpalast zu fahren, und tötet beim Sturm auf das Gebäude versehentlich den Präsidenten. Von da an eskaliert die Gewalt, sie breitet sich wie ein Lauffeuer erst in Lateinamerika, dann auf den anderen Kontinenten aus.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die beschriebenen Ausschreitungen in Brasilien hat es nicht gegeben, sie sind Fiktion, aber blickt man auf die realen Proteste der vergangenen Wochen, nimmt sich das Szenario nicht mehr so bizarr aus wie zum Zeitpunkt seiner Entstehung. Es wird vorstellbar. Die globalen Protestbewegungen dieser Wochen haben sich verschärft, sind vernetzter und drängender geworden. Gewaltsamer. Obwohl sie unterschiedliche Motive und Ziele haben, ähneln sie einander in ihrer Dynamik.

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