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Brückenbau in Berlin-Mitte : Wie die Grünen die Schneise lieben lernten

  • -Aktualisiert am

Mobilität für alle, Stadtbaukunst für niemanden: der Siegerentwurf für die neue Mühlendammbrücke in Berlin Bild: Arup/COBE, SenUVK

Im Zentrum von Berlin wird eine monströse Brücke erneuert, um klimaverträgliche Mobilität für alle zu ermöglichen. Hoffnungen auf Stadtreparatur sind passé. Ein Gastbeitrag.

          7 Min.

          Die Brückengeschichte Berlins beginnt mit einem Damm, der 1285 zum Betrieb einer Mühle zwischen den östlich der Spree gelegenen Siedlungen und Cölln gebaut wurde. Der Mühlendamm bot den Bewohnern der beiden Städte die Möglichkeit, die Spree trockenen Fußes zu überqueren, und regulierte über Jahrhunderte durch Stauanlagen, Schleusen und Mühlengerinne den Wasserstand der Spree. Erst nach 1889 erfolgte der Umbau des Damms zu einem regelrechten Brückensystem aus drei Brücken. An die lange Geschichte erinnert heute nur noch der Name Mühlendammbrücke. Er bezeichnet eine 1968 zu DDR-Zeiten fertiggestellte achtspurige Autobrücke, eine moderne Spannbetonkonstruktion.

          Da der Mühlendamm den Schiffsverkehr blockierte, wurde der Spreekanal gebaut, der Cölln zu der heute nur noch im Stadtgrundriss erkennbaren Insel machte, an die die Namen Fischerinsel und Museumsinsel erinnern. Um die Insel samt Schloss mit den Stadterweiterungen des Friedrichswerder im Westen zu verbinden, war der Bau zahlreicher Brücken über den Spreekanal notwendig. Dazu gehörten die älteste bis heute erhaltene, als Klappbrücke entworfene Jungfernbrücke, die von K. F. Schinkel entworfene Schlossbrücke (1824), aber auch die 1895 von James Hobrecht geplante Gertraudenbrücke, die bis 1976 als Brückenverbindung den gesamten großstädtischen Verkehr einschließlich der Straßenbahn zwischen der Gertraudenstraße, dem Spittelmarkt und der Leipziger Straße bewältigt hat. Dann wurde der denkmalgeschützten Natursteingewölbe-Brücke eine sechsspurige Stahlbrücke, die Neue Gertraudenbrücke, zur Seite ge­stellt. Das Nebeneinander der beiden Bauwerke ergibt auch für den an architektonische Brüche gewöhnten Blick ein surrealistisches Bild.

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