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Vor dem Brexit : Ein Schiff wird kommen

  • -Aktualisiert am

Endzeitstimmung in Brighton: Die britische Regierung erwägt den Einsatz von Flottillen für den Transport von lebenswichtigen Gütern. Bild: dpa

Viele Briten sind bereit, einen hohen Preis für den EU-Austritt zu zahlen. Sogar das Ende des irischen Friedensprozesses nehmen sie in Kauf. Was übrig bleibt, ist der Humor.

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          In der neueren britischen Volksmythologie findet das „Wunder“ der improvisierten Flottillen, die im Juni 1940 an der Evakuierung britischer Truppen von Dünkirchen teilnahmen, besondere Resonanz. Zwar wurde die Mehrzahl der Soldaten auf Kriegsschiffen in die Heimat transportiert, doch gefällt es dem Selbstbild der Briten als wackeres Inselvolk, das allein gegen den vom deutschen Goliath überlaufenen Kontinent kämpfte, die „kleinen Schiffe“ als Retter der nationalen Ehre darzustellen. So ist es nicht ohne Pikanterie, dass die Regierung jetzt im Falle des sogenannten „No-Deal-Brexits“, eines EU-Austritts ohne Abkommen, den Einsatz von Flottillen erwägt für den Transport von lebenswichtigen Gütern, die auf dem üblichen Lastwagen-Transportweg zwischen Calais und Dover aufgehalten werden könnten durch Engpässe bei den in Aussicht gestellten Zollkontrollen.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Die Flottille ist im Volksbewusstsein unentwirrbar verbunden mit jener Vorstellung der auf sich gestellten Nation, die auch die Rhetorik des Brexits nährt. Darüber mokiert sich der jüngste, soeben erschienene Band aus der Serie von Parodien der beliebten Ladybird-Kinderlehrbücher aus den sechziger Jahren. „The Story of Brexit“ beginnt mit einer Feststellung: „Britannien ist eine stolze Insel. Über Jahrhunderte hinweg haben wir allein gestanden. Jetzt stehen wir wieder allein.“ Der schmale, im Retro-Stil illustrierte Band endet mit mehreren Feststellungen und einer Frage: „Als die Nazis über die weißen Felsen von Dover flogen, wehrte sich Britannien tapfer, ohne dass jemand geholfen hätte außer Piloten aus Osteuropa, Kanada, Afrika, den Vereinigten Staaten und der Karibik. Als wir die Geheimnisse der Nazi-Enigma-Schlüsselmaschine geknackt haben, bedurfte es bloß britischer Genialität und einer Nazi-Enigma-Schlüsselmaschine, die einige polnische Spione für uns gestohlen haben. Wir haben früher schon alleine gestanden. Wir können es nochmal tun – oder?“

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