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Theresa Mays Großbritannien : In der Vorhölle der Unentschiedenheit

  • -Aktualisiert am

Theresa May im Dezember in Brüssel Bild: Picture-Alliance

Wie aus Stärken des britischen Systems Schwächen wurden: Theresa May und die institutionalisierte Unfähigkeit zum politischen Kompromiss. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          War Großbritannien nicht seit jeher die Heimat des „common sense“, selbst in der Politik? Wo eher pragmatische Kompromisse als optimale Lösungen gesucht werden? Schon weil Kompromisse mehr Gelegenheit für witzige Bemerkungen geben? Seit Großbritannien seinen Austritt aus der EU verhandelt, haben wir davon nicht viel gesehen. Eine radikale Minderheit in der konservativen Partei ist bereit, eine mehr als fünfzig Jahre alte Konstante der britischen Politik abzuschaffen, deren Ursprünge viel älter sind: den Konsens, ein Teil Europas und sein Mitgestalter zu sein. Wir beobachten eine Premierministerin, die auf ihrem und nur ihrem ausgehandelten Vertrag besteht, unfähig, ihre Strategie auch nur einen Inch an die außergewöhnliche Situation anzupassen. Sie scheint inzwischen sogar willens, den Extremfall eines Austritts ohne Vertrag mit der EU zu akzeptieren, nur um sagen zu können: „Ich hab euch ja gewarnt.“

          Man ist geneigt, in der britischen Malaise ein Zusammentreffen unglücklicher historischer Zufälle zu sehen. Es war in der Tat ein Zufall, dass David Cameron „der schlechteste britische Premierminister aller Zeiten“ (Anthony King) war. Wie anders soll man einen Premierminister bezeichnen, der ein Referendum über eine Verfassungsfrage anberaumt, das mit einfacher Mehrheit entschieden werden konnte, weil es ja nur konsultativ gemeint war? Und der sich danach mit einem kurzen „Goodbye, was geht’s mich an?“ verabschiedete, weil Sonnyboy nicht bekam, was er wollte, obwohl er versprochen hatte, den Übergang zu begleiten?

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