https://www.faz.net/-gqz-9j62v

Britische Künstler über Brexit : Schadet Regulierung der Kreativität?

Banksy-Wandbild in Dover Bild: dpa

Auch für den britischen Kulturbetrieb hätte der Brexit Folgen: Denn britische Künstler reisen häufig für Auftritte auf das europäische Festland. Für einige von ihnen wäre ein ungeordneter Austritt Großbritanniens „ein Albtraum“. Andere sehen das Szenario gelassen.

          4 Min.

          „Niemand weiß irgendetwas“, antwortet die britische Mezzosopranistin Patricia Hammond auf die Frage, was denn werden soll, wenn der Brexit wirklich eintritt. „Man müsste in eine Glaskugel schauen, um etwas darüber sagen zu können.“ Paranormale Zustände im Königreich, aber zumindest der 29. März ist bislang eine traurige Gewissheit: An ihm soll sich der Schlagbaum in Dover senken. Sollte es zu einem ungeordneten Brexit kommen, wäre das für Patricia Hammond „ein Albtraum“. Als der französische Staatspräsident Emmanuel Macron beim vergangenen Volkstrauertag im Reichstag über die „unerschütterliche Freundschaft“ zwischen Franzosen und Deutschen sprach, war sie es, die nach seiner Rede „The Rose of No Man’s Land“ von Jack Caddigan sang. Dass ihr Land womöglich die Europäische Union verlassen wird, stimmt sie traurig.

          Für Künstler wie sie – und damit für das kulturelle Leben insgesamt – hätte die Trennung sehr konkrete Auswirkungen. Die engen Verflechtungen britischer Künstler mit dem europäischen Festland zeigen sich allein schon an einer Umfrage des britischen Musiker-Verbandes „Incorporated Society of Music“, dem auch der Dirigent Simon Rattle angehört. Knapp vierzig Prozent der befragten Künstler gaben an, mehr als fünfmal jährlich nach Europa zu reisen, um dort aufzutreten. Ein Drittel der rund 1600 Befragten erwirtschaftet mindestens die Hälfte seines Einkommens durch Aufträge auf dem Kontinent. Kommt es zum Brexit, dürfte das ihr Arbeitsleben zumindest behindern. Der freie Verkehr von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital hat eben auch mit der Freiheit der Kunst zu tun.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Entwicklung Arbeitsmarkt : Es steht Spitz auf Knopf

          Wann kippt der Arbeitsmarkt? Vom Autozulieferer Brose bis zur Deutschen Bank, trotz aller Meldungen über Werksschließungen und Entlassungen werden immer noch mehr neue Stellen geschaffen als alte gestrichen.
          Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde.

          Wechsel an der EZB-Spitze : Draghi und die Deutschen

          Nirgendwo ist EZB-Präsident Mario Draghi, der am 31. Oktober abtritt, auf so viel Protest gestoßen wie in Deutschland. Am Ende hat er die Macht der Europäischen Zentralbank überdehnt. Eine Bilanz.