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Umgang mit NS-Vergangenheit : Warum wir einen Traditionserlass für die Erinnerungskultur brauchen

  • -Aktualisiert am

Die umstrittene Bronzeglocke aus der NS-Zeit hängt noch immer in Herxheim. Bild: dpa

Wer den demokratischen Werte-Konsens bewahren will, muss sich der Geschichtsklitterung entgegenstellen. Sonst drehen Weidel, von Storch und Co. den erinnerungspolitischen Spieß um. Ein Gastbeitrag.

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          Trügt der Schein, oder zeichnet sich in Deutschlands Erinnerungskultur eine Trendwende ab? Schön wäre es, wenn nicht allein für die Bundeswehr, sondern ganz allgemein ein „Traditionserlass“ Geltung gewinnen könnte, der für den Umgang mit kollektiver Erinnerung Richtlinien anbietet – nicht als Verordnung oder gar, wie neuerdings in Polen, als gesetzliche Grundlage für Strafverfolgung, sondern als Orientierungshilfe, um einem eventuellen Kurswechsel zuvorzukommen oder ihn wenigstens feststellen zu können.

          Viele halten Deutschland für den „Weltmeister der Vergangenheitsbewältigung“, weil es sich mit der schlimmstmöglichen Vergangenheit konsequent auseinandergesetzt hatte und dabei eine Mea-culpa-Haltung zunehmend perfektionierte. Der überraschte Beobachter nimmt zur Kenntnis, dass die kollektive Erinnerung der dritten Nachkriegsgeneration viel mehr als früher im Zeichen der Auseinandersetzung mit den deutschen Diktaturen steht: Die Zahl der Stolpersteine steigt, die Gedenktage mit Bezugnahme auf die Unrechtsregime (8. Mai, 17. Juni, 20. Juli, 9. November) etablierten sich als zentrale Erinnerungsorte, und der neue deutsche Außenminister (Jahrgang 1966) tut kund, dass er wegen Auschwitz in die Politik eingetreten ist.

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