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Bode-Museum : Ihre Majestät, die Spolie

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Alter Glanz, aufgefrischt: das Bode-Museum in Berlin Bild: dpa/dpaweb

Erst im Sommer wird es wiedereröffnet. Aber für drei Tage öffnet das frisch sanierte Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel nach der feierlichen Bauübergabe an diesem Montag seine Türen. Gelegenheit, den vielfach verdammten Ihne-Bau mit frischen Augen zu betrachten.

          Nach fünf Jahren ist die Sanierung des Bode-Museums auf der Berliner Museumsinsel abgeschlossen. „Nicht weniger als ein Wunder“ nannte das der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, an diesem Montag bei der offiziellen Bauübergabe. In den kommenden Monaten bis zur Wiedereröffnung werden die wertvollen Exponate des 25.000 Quadratmeter großen Museums vom Ausgang der Antike bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zurückkehren. Im Sommer 2006 werden Kustoden und Kuratoren den geretteten Bau wieder komplett eingerichtet haben. Zuvor wird am kommenden Wochenende das Bode-Museum dem interessierten Publikum für drei Tage der offenen Türen aufgeschlossen.

          „Mit der Wiedervereinigung bekam das Museum seine große Chance, und mit der Schließung 1998 kam es erstmals zu einer Grundsanierung des Gebäudes“, sagte der neue Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Über 60 Jahre nach Ende des Krieges sei jetzt diese Kriegswunde geschlossen worden. Der neue Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nannte die Sanierung eine „Investition in die Zukunft, und keine Kultursubvention“.

          Imperiale Längsachse an der Westspitze der Insel

          Alle Bauten auf der Berliner Museumsinsel tragen ein Doppelgesicht. Alle sind sie als Festsäle für die Kunst konzipiert worden - und zugleich als Tempel zur Verherrlichung des Staates. Keinem der mächtigen Gebäude aber ist diese Zwiegestalt derart tief eingeschrieben wie dem 1904 eröffneten Kaiser-Friedrich-Museum, dem heutigen Bode-Museum.

          Standbilder in der kleinen Kuppelhalle

          Die imperiale Längsachse des Hauses an der Westspitze der Insel, die dramatische Raumsequenz von Foyer, Großer Kuppelhalle, Basilika und Kleiner Kuppelhalle, ist recht eigentlich eine preußisch-wilhelminische via triumphalis mit sorgsam ausgearbeitetem Bildprogramm. Beginnend mit der Kopie von Schlüters Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, die den Besucher empfängt und gleichsam vorsorglich überwältigt, da der Eintretende sie kaum mit dem nötigen Abstand betrachten kann, über die Ornamente, Adlerschwärme und Inschriften des Kuppelschmucks bis hin zu den Fürstenstandbildern in der Kleinen Kuppelhalle ist das architektonische Rückgrat des Baus so etwas wie ein Pantheon. Ein Pantheon allerdings, das die Herrscher nicht in irgendeiner beliebigen Funktion feiert, sondern in einer sehr spezifischen: in ihrer Gestalt als Förderer der Künste.

          Den vielfach verdammten Bau mit frischen Augen betrachten

          Weder dem Bau noch seinem Architekten, dem Geheimen Oberhofbaurat Ernst Eberhard von Ihne, ist dieses Ineinander von Nützlichkeit und Propaganda allerdings gut bekommen. Die längste Zeit war der Blick auf das Museum ideologisch verstellt: Das tortenstückartig zulaufende Bauwerk mit seinen fünf ungleichen Innenhöfen wurde von der Kritik von Anfang an gerade wegen der ikonographischen und persönlichen Nähe zum Kaiserhaus scharf attackiert. In einer Polemik mit dem Titel „Akademische Baukunst: Monumentalaufgaben und Stilrenommisten“ etwa wütete schon 1908 der Publizist Karl Scheffler, ein entschiedener Propagandist der Moderne, gegen die „wohlgepflegte Gedankenarmut“ des „Hofakademikers“ Ihne und nannte dessen Museum ein „majestätisch prahlendes Unding“.

          Vielleicht ist tatsächlich erst heute, fast hundert Jahre später, da sich auch die einst ungestüme Moderne in Repetition und Gedankenblässe erschöpft hat, die Zeit gekommen, den vielfach verdammten Ihne-Bau mit frischen Augen zu betrachten. Was sie zu sehen bekommen, ist durchweg staunenswert. Mitten in Berlin, acht Jahre lang der Bauarbeiten wegen dem Publikum entzogen, ist ein großartiges, raffiniert vielschichtiges, prachtvoll ausstaffiertes, dabei wunderbar taugliches Gebäude wiederzuentdecken, wie die Hauptstadt wohl kein zweites hat.

          Bodes Zukunftsweisende Ausstellungsinszenierung

          Mögen die weitläufigen Repräsentationsfluchten im Hauptgeschoß auch für die Ausstellung von Kunst verloren sein: Im Obergeschoß gibt es dafür reichlich Raum für Skulpturen und Gemälde; Räume teils mit feinem, mildem Oberlicht, teils mit Seitenlicht, das an den langen Südfronten mitunter zum Problem werden könnte. In diesen Schausälen zeigt sich eindringlich das unerhört Zukunftweisende der Ausstellungsinszenierungen von Wilhelm von Bode, dem genialischen Sammler und eigentlichen Bauherrn des Museums, das heute seinen Namen trägt. Was mittlerweile unter dem Stichwort „period rooms“ eine zögerliche Wiederentdeckung feiert, nahm Bode mit dem stimmungsvollen Arrangement von Architekturfragmenten, Möbeln, Kunsthandwerk und Gemälden weitaus radikaler vorweg.

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