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Bode-Museum : Ihre Majestät, die Spolie

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Die prächtigen Portale, Kamine, Mosaiken, Renaissancedecken, die der unermüdliche Raffer eigens für den Museumsneubau in Italien zusammenkaufte, wurden nun, wo möglich, wieder an den Orten aufgestellt, für die Bode sie erworben hatte. Die Spolien geben den Räumen Kraft, Maß und, ja, eine eigentümliche Majestät, mögen sie auch vielfach aus ihrer ursprünglichen Umgebung, aus Kirchen, Klöstern, Palästen, herausgerissen worden sein. Wiederhergestellt werden konnte auch der zierliche Tiepolo-Raum, ein Kabinett mit Fresken aus der Villa Volpato Panigai in Nervesa, von dem im Krieg nur der Marmorfußboden erhalten geblieben war.

Leider mußte sich der Sanierungsarchitekt verewigen

Gut hundertfünfzig Millionen Euro hat die Sanierung des Bode-Museums gekostet. Das meiste dieses Geldes ist gleichsam spurlos verschwunden. Es wurde für eine technische Aufrüstung des Hauses gebraucht, von der die Besucher kaum etwas registrieren werden: Fotoatelier und Restaurierungswerkstätten erhielten zeitgemäße Technik, der Brandschutz wurde auf den modernsten Stand gebracht, eine Klimaanlage eingebaut, die Lichtdecken erneuert, behindertengerechte Zugänge geschaffen, Hausschwamm beseitigt, die Stahlträgerkonstruktion, wo sie korrodiert war, ausgetauscht. Im übrigen sollte, so das erklärte Ziel, die Originalsubstanz, von der trotz Kriegsschäden erstaunlich viel erhalten geblieben war, möglichst schonend behandelt werden. Nachträgliche Einbauten wurden entfernt, ursprüngliche Farbfassungen freigelegt, der lange Zeit übermalte illusionistische Fugenstrich im Kuppelgewölbe sorgsam nachgezogen.

Nicht überall aber ließ sich diese Behutsamkeit durchhalten. Offenbar beharrte der beauftragte Wiener Architekt Heinz Tesar (mit Christoph Fischer, Berlin) darauf, sich zu verewigen. So geben sich die technischen Einbauten deutlich als solche zu erkennen. Leider aber setzt so gut wie alles, was Tesar hinzuerfunden hat, Ihne noch postum ins Recht: die aufdringlich technoiden Leuchtkörper, das Gestänge für die Verschattungs-Screens, das klobige Treppenhaus im größten Innenhof des Museums, der gänzlich mißratene, weil drückend niedrige und beengte neue Saal für die romanische Skulptur im Sockelgeschoß und der Einstieg in die Archäologische Promenade, von dem gleich noch zu reden sein wird.

Ästhetik des Bunkerbaus

Jede Ergänzung spricht vernehmlich von der Überlegenheit des Alten über das Neue und von der eitlen Bockigkeit der Architekten, ihre Eingriffe partout sichtbar machen zu wollen, statt sich vornehm zurückzunehmen. Warum um alles in der Welt müssen die metallisch schimmernden Lampen überall hervorstechen wie Ungeziefer aus Stahl?

Bestätigt werden leider auch die ärgsten Befürchtungen, die immer wieder gegen das Lieblingsvorhaben der Staatlichen Museen, die Archäologische Promenade, vorgebracht worden sind. Der Einstieg in diese subterrane Schnellverbindung zwischen den Häusern der Museumsinsel ist jedenfalls im Bode-Museum nicht von jenem „schönen Seitenlicht“ erleuchtet, das Museumsgeneral Peter-Klaus Schuster wiederholt versprochen hat. Er gleicht vielmehr einem Abstieg in die Unterwelt, düster und erdenschwer. Eingeklemmt unter die Freitreppe der Kleinen Kuppelhalle, führt zunächst eine schmale, gerade Treppe ins Souterrain und von dort weiter über geschwungene Stiegen in ein katakombengleiches Tieffoyer, dem Tesar mit wuchtigen Sichtbetonpfeilern auch noch die letzte Leichtigkeit genommen hat.

Nun ist der Übergang vom Bode- ins Pergamonmuseum tatsächlich besonders problematisch. Zwischen den beiden Häusern verläuft die Trasse der Berliner Stadtbahn, ein dramatischer Einbruch des Technischen in die Freistätte der Kunst. Statt aus dieser Konfrontation aber Funken zu schlagen, mit ihr zu spielen, ist der Architekt in eine Ästhetik des Bunkerbaus verfallen, wie sie heute längst keinem U-Bahn-Fahrer mehr zugemutet wird. Wieviel schöner und erfrischender wäre es, könnte man, statt unter den Gleisen gewissermaßen hindurchzukriechen, über sie hinwegspazieren, über gläsern eingehüllte Brücken und Stege, mit spektakulären Ausblicken auf die Stadtlandschaft Berlins. Bei der nächsten Runderneuerung des Bode-Museums geht vielleicht auch dieser Wunsch in Erfüllung. Nun aber muß erst einmal die Kunst in ihr Schatzhaus zurückkehren.

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