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Bluttest für Schwangere : Die Kinder vom Reißbrett

Ein fünf Jahre altes Mädchen mit Downsyndrom. Werden Kinder wie sie weiter geboren werden, wenn der für die Frau wie für den Fötus vollkommen risikofreie Pränataltest für jede Schwangere auch noch gratis verfügbar sein wird? Bild: Picture-Alliance

Mit Bluttests für Schwangere verknüpfen sich Hoffnungen und Bedenken. Die bevorstehende Debatte im Bundestag um Pränataltests ist ein Vorspiel der Ethikkonflikte, die noch kommen.

          5 Min.

          Es muss einiges auf dem Spiel stehen, wenn eine auf zwei Stunden angesetzte Debatte im Bundestag, die mit keiner Abstimmung und auch keiner anderen verbindlichen Entscheidung enden soll, schon Tage und Wochen vorher die Medienrepublik erschüttert. Claus Klebers Anmoderation des Heute-Journals zu Wochenanfang begann mit den Worten: Nehmen wir uns heute einmal Zeit. Der Brexit-Lärm verstummte, sonstige Katastrophen rückten weit nach hinten. Erst einmal ging es nur um Menschen, Glück, Gesundheit – und um besondere Familien. Genau darum wird es auch an diesem Donnerstag in der öffentlichen „Orientierungsdebatte“ im Bundestag gehen. Aber eben auch um Ängste, Gerechtigkeit und Geld. Und fast am wichtigsten: um erodierendes Vertrauen, das schon bei Kleber nicht zu überhören war.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Abgeordneten haben sich auf Anregung des Gemeinsamen Bundesausschusses mit der Bezahlung von „nichtinvasiven Pränataltests“ zu befassen, genauer: mit der Frage, ob diese seit 2012 zugelassenen Bluttests für Schwangere, von denen einer der Hersteller allein schon 150.000 Testkits verkauft hat, von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden sollen. Der Gemeinsame Bundesausschuss ist das höchste Gremium der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, der solche Kostenübernahmen zu billigen hat. Vor der endgültigen Entscheidung über die Pränataltests hat der Ausschuss diesmal eine parlamentarische Diskussion gefordert – auch dies ein Indiz dafür, wie viel auf dem Spiel steht.

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