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Berliner Schloss vor Eröffnung : Bitte entfernen!

  • -Aktualisiert am

Die Passage des Humboldt Forums Bild: SZ Photo

Für die Anhänger ist das Humboldt Forum ein humanistischer Ort, an dem Deutschland sich von seiner besten Seite zeigt. Für die Kritiker ist es ein Desaster. Aber diese Kritik will der Ko-Architekt Thomas Albrecht nicht hören.

          3 Min.

          In der kommenden Woche wollten sie in Berlin eigentlich groß feiern: Der Nachbau des Stadtschlosses ist fertig. Erste Begehungen fanden statt. Und? Die historische Fassade sieht sehr historisch aus, aber diejenigen, die sich darauf freuten, drinnen durch üppig dekorierte Barocksäle zu spazieren, werden vielleicht ein bisschen überrascht sein vom kalten Funktionalismus, der ihnen hier entgegenschlägt: Das Innere, Franco Stellas neongrell erleuchtete Rasterarchitektur, erinnert an große Shopping-Center, an Flughafenbürobauten mit langen Rolltreppen, die anschließende Querung ähnelt dem Innenhof eines Motel One. Freunde des alten Berlins sollten sich das Schloss besser nur von außen anschauen.

          Die Anhänger des Schlosses sind trotzdem begeistert: Für sie ist das Humboldt Forum ein humanistischer Ort, an dem Deutschland sich von seiner besten Seite zeigt; der Neubau selbst sei ein Wunderwerk rekonstruktiven Handwerks, die mit dem Schloss vollendete Entfernung aller Spuren von Krieg und Sozialismus aus Berlins Stadtzentrum ein großer Segen.

          Für die Kritiker, die es sehr zum Unbill seines Ko-Architekten Thomas Albrecht immer noch gibt, ist der Neubau auf vielen Ebenen ein Desaster. Sie finden den Wiederaufbau als Botschaft rückwärtsgewandt, das Ergebnis ideologisch reaktionär und unästhetisch: Das Schloss sehe aus wie eine schwerverdauliche Sahnetorte; schon Berlins architektonischer Säulenheiliger Schinkel habe das alte Schloss grauenhaft gefunden, das neue spalte, zumal mit seinem goldenen Kreuz, die Bevölkerung in Schlossfreunde und Schlosshasser und sei schon deswegen kein „Symbol für das Zusammenwachsen“, im Gegenteil.

          Und der Inhalt? Das Humboldt-Forum, gefüllt mit unter anderem in der Kolonialzeit zusammengetragenen Exponaten, ist schwer vom Glatteis des Kolonial- und Restitutionsdiskurses herunterzubekommen und wird vom Glanz des Namensgebers nicht mehr geschützt. Dass auf der Website des Humboldt–Forums nun aktuell eine Erklärung zur „Weltoffenheit“ veröffentlicht wird, zeigt, wie verzweifelt man versucht, durch diverse Kritikpunkte hindurchzumanövrieren: Angesichts der deutschen Geschichte bedürfe es „eines Engagements für die Vielfalt jüdischer Positionen“ sowie auch „für andere, aus der nichteuropäischen Welt vorgetragene Visionen“, wobei es insbesondere „für eine demokratische Öffentlichkeit abträglich“ sei, wenn „internationale Stimmen aus dem kritischen Dialog ausgegrenzt werden sollen, wie im Falle der Debatte um Achille Mbembe zu beobachten war.“

          Das klingt, so eierig formuliert, auf den ersten Blick alles richtig, vermeidet aber tunlichst jede Positionierung zur viel interessanteren Frage, wie man sich denn nun zu Mbembes umstrittenen Äußerungen über Israel konkret stellt. Immerhin: Auch das Schloss soll ein Ort werden für eine „weltoffene Gesellschaft“, die „Dissens zulässt“. Damit tut sich aber vor allem Thomas Albrecht vom Büro Hilmer & Sattler und Albrecht, das am Wiederaufbau des Schlosses beteiligt war, eher schwer. Albrecht ist so erbost, dass die Medien es immer noch wagen, Kritik an seinem Superschloss zu äußern, dass er jüngst Briefe an Zeitungschefs aufsetzte, in denen diese aufgefordert werden, schlosskritische Journalisten endlich aus der Redaktion zu „entfernen“.

          Die Logik im Kopf des Schlossbauers

          „Entfernen“ ist ein großes Wort. Man entfernt Unkraut. Man hat in Deutschland auch schon Journalisten entfernt – damals, als das alte Schloss noch stand, und auch, als der Palast der Republik ihn gerade ersetzt hatte. In einer Demokratie müssen die Gegner des Schlosses es aushalten, dass es nach parlamentarischem Mehrheitsbeschluss gebaut wurde, und seine Freunde müssen Kritik, Spott ertragen und dürfen öffentlich zurückschimpfen. Aber hinter geschlossenen Türen zu fordern, Kritiker mundtot zu machen, zeigt, wie tief eine nicht so lupenrein demokratische, eliminatorische Logik im Kopf mancher Schlossbauer sitzt.

          Die Kommunisten haben das Schloss gesprengt, jetzt entfernen wir den Palast der Republik – und die verdammten Kritiker gleich mit: Mit solchen Architekten ist es nicht so einfach, das Schloss als Ort eines demokratisch offenen Diskurses zu verkaufen. Jedenfalls darf man sich, wenn man so an die Sache herangeht, auch nicht aufregen, wenn Schlosskritiker wie Oliver Gehrs mit seiner Initiative „Schloss sprengen 2025“ jetzt dazu aufrufen, auch das neue Schloss alsbald wieder in die Luft zu jagen und die Trümmer in Schleswig-Holstein aufschütten zu lassen, als heiteres Monument für die gescheiterte Symbolpolitik Deutschlands nach 1989.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

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