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Bildung in der Corona-Krise : Das deutsche Sortiersystem greift durch

  • -Aktualisiert am

Das deutsche Bildungssortiersystem ruht auch in der Pandemiezeit nicht – mit gravierenden Folgen Bild: dpa

Die Corona-Krise verändert den Bildungsprozess gerade der Jüngeren an empfindlicher Stelle: Die Auslese im Schulsystem nach den ersten Klassen wird vollends zur Farce. Ein Gastbeitrag.

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          Das Sortieren sehr kleiner Kinder in unterschiedlich angesehene Bildungs- und Berufswege nach Maßgabe gemessener Leistung und vermuteter Begabung, ihre Verteilung nach vier Schuljahren auf Gymnasium, Realschule, Gesamtschule und Hauptschule, ist eine bekannt absurde, im Ausland endlos bestaunte deutsche Spezialität. Wir haben uns an sie gewöhnt, ebenso wie an die immer wiederkehrenden Nachweise der mit ihr verbundenen harten Reproduktion sozialer Ungleichheit. Niemand stört sich mehr an der Trümmerlandschaft, die die Schulreformkämpfe der 1970er und 1980er Jahre übrig gelassen haben. Das Thema ist politisch erledigt. So vertraut, so sehr zur zweiten Natur ist uns das deutsche Sortiersystem geworden, dass wir uns nicht vorstellen können, auch nur ausnahmsweise von ihm abzulassen, und sei es in einer Jahrhundertkrise wie Corona, in der angeblich nichts mehr so bleiben kann, wie es war.

          Das Kind, das hier als Beispiel dienen soll, ist neun Jahre alt und geht in die dritte Klasse. Eingeschult wurde es im Herbst 2018. Bis zur Versetzung in die vierte Klasse sind es noch ungefähr zwei Monate. Ein Jahr später, im Sommer des darauffolgenden Jahres, endet dann die Grundschule, und die Kinder werden aufgeteilt. Der Ernst des zu sortierenden Lebens beginnt aber schon jetzt.

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