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Aufnahmen von Prostituierten : Bildagentur Magnum nimmt Datenbank nach Kritik offline

Der Magnum-Fotograf David Alan Harvey prüft seine Perspektive Bild: Picture-Alliance

Dreißig Jahre lang waren im Magnum-Bildarchiv Aufnahmen minderjähriger Prostituierter zu sehen. Jetzt hat die Bildagentur auf Kritik aus der Fotoszene reagiert – und ein bemerkenswertes Statement veröffentlicht.

          2 Min.

          In der Fotoszene wird vehemente Kritik an der Bildagentur Magnum laut. Anlass sind Aufnahmen des Magnum-Fotografen David Alan Harvey im Bildarchiv der renommierten Agentur. Ein Autor der Fotografie-Nachrichtenseite „Fstoppers“ hatte die Bilder aus dem Jahr 1989, für die dreißig Jahre lang Lizenzen erworben werden konnten, in der Datenbank entdeckt. Die Motive sind Teil der Serie „Bangkok Prostitutes“ des amerikanischen Fotojournalisten Harvey. Sie zeigen zwielichtige und heruntergekommene Orte in der Millionenstadt, die von Sextouristen frequentiert werden und Prostituierte, die mit Kunden aus dem Westen in Nachtclubs unterwegs sind, einige von ihnen halbnackt. Besonderen Anstoß erregte ein Motiv, das aus der Perspektive des Fotografen ein Mädchen zeigt, das sich dem sitzenden Betrachter nähert.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Unter den aufgeführten Suchbegriffen fanden sich den Recherchen von „Fstoppers“ zufolge die Worte „Prostituierte“, „Brüste“ und „Teenagerin“ – ein weiterer Anhaltspunkt, dass es sich bei den fotografierten Sexarbeiterinnen um Minderjährige handelte. Das Magnum-Archiv enthalte diverse Bilder von jugendlichen Prostituierten, die ohne ihr Einverständnis fotografiert worden seien, schreibt der Autor des Textes.

          Tiefgehende Prüfung

          Auf die Kritik hin löschte Magnum zunächst die Bangkok-Serie aus dem System. Seit Freitag ist die gesamte Datenbank offline. Auf der Website hat Magnum-Präsidentin Olivia Arthur eine Stellungnahme veröffentlicht. „Wir nehmen den Fall sehr ernst“, heißt es darin. Das Archivmaterial werde mit externer Unterstützung einer tiefgehenden Prüfung unterzogen, um die „Bedeutung der Werke im Archiv sowohl im Hinblick auf ihre Bildsprache als auch ihren Kontext“ vollständig zu verstehen. Die Welt der Fotografie bewege sich auf eine Phase der Selbstreflexion zu, in der neu und anders auf Bilder geschaut werde. Noch sei viel zu tun.

          Arthur verwies auch auf die Rolle von Fotografen, die als Dokumentierende aus der Welt berichten. Seit 75 Jahren seien ihre Kollegen unterwegs, um politische und soziale Missstände aufzuzeichnen und zu kommentieren.  In dieser Zeit hätten sich Standards entwickelt. Fragen und Streitpunkte, die früher übersehen wurden, müssten nun adressiert werden. Der Prozess der Prüfung werde eine Weile dauern.

          Immer wieder fordern Aktivisten und Fotografen, dass sich große Bildagenturen für als beleidigend oder verletzend empfundene Bildinhalte verantworten. Aber auch in der Fotoszene gehen die Meinungen über die Verhältnismäßigkeit der Verbots bestimmter Motive weit auseinander. Zuletzt war der Magnum-Fotograf Martin Parr wegen als rassistisch wahrgenommener Bilder in die Kritik geraten.

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