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„Bild“ gegen Drosten : Die versuchte Vernichtung

„Ich soll innerhalb von einer Stunde Stellung nehmen. Ich habe Besseres zu tun“, schrieb Drosten über die Anfrage der „Bild“ Bild: dpa

Die Kampagne der „Bild“-Zeitung gegen den Virologen Christian Drosten legt vor allem eines offen: Das Desinteresse vieler an den Fakten für eine angemessene Pandemie-Politik.

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          Für seine Antwort hatte der Professor eine Stunde Zeit. „Sehr geehrter Herr. Dr. Drosten“, hieß es in der Mail vom 25. Mai, 15 Uhr, „wir berichten über die Kritik mehrerer Wissenschaftler an Ihrer Studie über die Viruskonzentration bei verschiedenen Altersgruppen. Dazu bitte ich Sie um eine kurzfristige Stellungnahme bis heute um 16 Uhr.“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Reagieren sollte Christian Drosten, Leiter des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, auf Vorhaltungen von vier Wissenschaftlern, die – scheinbar – Methode und Gültigkeit seiner Studie zur Belastung von Kindern mit dem Covid-19-Virus kritisierten. Zweifel an der statistischen Aussagekraft, zu wenig untersuchte Kinder und eine angeblich um 67 bis 85 Prozent niedrigere Viruslast von Kindern gegenüber Erwachsenen werden in der Mail angeführt. Christian Drosten beantwortete die kurzfristige Anfrage der „Bild“-Zeitung nicht. Stattdessen veröffentlichte er sie (zuerst mit der Telefonnummer des anfragenden Redakteurs, dann ohne) auf Twitter mit dem Hinweis: „Interessant: die #Bild plant eine tendenziöse Berichterstattung über unsere Vorpublikation zu Viruslasten und bemüht dabei Zitatfetzen von Wissenschaftlern ohne Zusammenhang. Ich soll innerhalb von einer Stunde Stellung nehmen. Ich habe Besseres zu tun.“ Dass die Geschichte des „Bild“-Redakteurs Filipp Piatov zu diesem Zeitpunkt so gut wie fertig gewesen sein dürfte, bestätigte sich umgehend. Um 16.34 Uhr ging sie online, unter der Überschrift „Drosten-Studie über ansteckende Kinder grob falsch“.

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