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Big Data als Hellseher : Schönen Gruß an Nostradamus

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Anstatt die Zukunft aus den Sternen zu lesen, wird jetzt Big Data herangezogen. Bild: dpa

Die Zukunft vorhersagen - wer will das nicht? Amerikanische Wissenschaftler versuchen es jetzt, mit freundlicher Unterstützung von Google. Aber es ist auch mit Big Data nicht so leicht.

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          Die Welt von morgen zu kennen war immer ein Traum der Menschheit. Im Mittelalter prophezeite der französische Arzt und Astrologe Nostradamus alle möglichen Katastrophen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war „Nostradamus“ der meistgesuchte Begriff im Internet. Nostradamus soll auch die Weltkriege vorhergesagt haben.

          Von den altägyptischen Symbolen der Ouroboros (einer Schlange, die ihren Schwanz frisst) über das hinduistische Konzept der Yuga bis zu Isaac Asimovs Psychohistorik sind Intellektuelle von dem Gedanken beseelt, dass Geschichte in Zyklen verläuft, und fragen sich zumindest, wie das Wetter vorhergesagt werden könne.

          Historiker sind rückwärtsgewandte Philosophen, sagt Hans-Ulrich Wehler; sie konstruieren Kausalitäten, die es in offenen Gegenwarten nie gibt. Politik dagegen ist ein inhärent prognostischer Prozess, man muss Stimmungen erkennen, Szenarien durchspielen, vor allem in instabilen Regimen: Braut sich ein Putsch zusammen? Droht eine Knappheit, die Aufruhr in den Straßen entfesselt? Für Entscheidungsträger bedeuten derlei Informationen nicht nur Zeitgewinn, sondern naturgemäß auch mehr Handlungsspielraum.

          Keimzellen des Protests sind lila

          Der amerikanische Wissenschaftler Kalev H. Leetaru behauptet, dass man mit Big Data den Lauf der Geschichte voraussagen kann. Leetaru, der mit einem Stipendium von Yahoo an der Washington University lehrt, hat mit der Unterstützung von Google die „Global Database of Events, Language, and Tone“ (GDELT; http://gdeltproject.org/globaldashboard/) erstellt, die mit Hilfe einer Software Fernseh-, Print- und Web-Nachrichten, vor allem Tweets, in mehr als einhundert Sprachen aus 140 Ländern analysiert. Die Ereignisse werden täglich in dreihundert verschiedene Kategorien, von „Aufruhr“ bis „Zusammenarbeit“, eingeordnet und bis hinunter auf die Lokalebene angewendet.

          GDELT hat nach eigenen Angaben bislang eine Viertelmilliarde Aufzeichnungen von 1979 bis zur Gegenwart erfasst, die in Googles Plattform BigQuery abrufbar sind. Ein hochleistungsfähiger Algorithmus durchforstet die Medien kontinuierlich nach verwertbaren Aussagen. Angenommen, in einer Zeitung steht der Satz: „Die Vereinigten Staaten kritisieren Russland für die Entsendung von Truppen auf die Krim“, dann wird der unstrukturierte Text kodiert und kategorisiert - Akteure, vor allem ihre Intentionen und Handlungen: Kooperationswille, Androhung von Zwangsmaßnahmen. Diese Daten werden schließlich aggregiert und zu bestimmten Mustern zusammengefügt.

          Das GDELT Global Dashboard visualisiert diese Daten. Auf einer Landkarte leuchten rot die Gegenden auf, in denen Gewalt gegen Bürger ausgeübt wird, lila gefärbte Cluster markieren Keimzellen des Protests. Mit einem Zeitschieber lässt sich die Entwicklung der letzten 180 Tage nachvollziehen. Erstaunlich ist, dass es nicht nur in den bekannten Konfliktzonen Ukraine, Irak und Syrien brodelt, sondern auch in Amerika und in Großbritannien.

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