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Bevölkerungsstudie : Die Sehnsuchtsinsel der Demographen

  • -Aktualisiert am

Island hat in demographischer Hinsicht Vorbildcharakter Bild:

Island ist das modernste Land Europas. Deutschland dagegen sieht im internationalen Vergleich alt aus: Geburtenraten sinken, die Lebenserwartung steigt. Laut neuer Bevölkerungsstudien gehört Deutschland zum demographischen Krisengebiet Europas.

          Island ist ein ideales Land zum Leben: wohlhabend und hochentwickelt, mit hohem Bildungsstand und einer Geburtenrate, die hoffen lässt, dass der Generationenvertrag über längere Zeit hinweg erfüllt werden wird. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung über die demographische Zukunft Europas. Viele nördliche Regionen schneiden darin gut ab. Auch die Schweiz liegt weit vorn bei der Zukunftsfähigkeit, die sich aus verschiedenen demographischen, sozialen und ökonomischen Faktoren zusammensetzt. Sechs der sieben Schweizer Regionen finden sich unter den ersten zehn Plätzen. Deutschland hingegen hat weniger rosige Aussichten. Nur der Süden kann beim Vergleich der insgesamt 285 Regionen aus 27 EU-Staaten, Island, Norwegen und der Schweiz mithalten: Oberbayern belegt immerhin Platz neunzehn.

          Nicht nur das Nord-Süd-Gefälle macht Deutschland zu schaffen, sondern auch eine Ost-West-Verschiebung. Menschen aus osteuropäischen Ländern zieht es in den Westen, die Geburtenraten in ihrer Heimat sinken seit dem Verschwinden des Eisernen Vorhangs. Auch Ostdeutschland hat Schwierigkeiten, demographisch gesehen, ist es das Krisengebiet Europas. Die Abwanderung nach der Vereinigung und die vorübergehend extrem niedrige Geburtenrate von 0,8 spiegeln sich heute in einem Lehrlingsmangel. Bald wird es auch zu wenige Studenten geben. Da die Elterngeneration infolge der geringen Geburtenrate halbiert ist, wird ein Schrumpfen der Bevölkerung kaum aufzuhalten sein.

          Europa veraltet

          Das Bevölkerungswachstum in Europa geht allgemein zurück. Im Mittel bekommen Frauen weniger als die 2,1 Kinder, die die Bevölkerungszahl stabil halten würden. In Island, Irland und Frankreich sind es zwar ungefähr zwei Kinder pro Frau, in Polen und Deutschland jedoch unter 1,4. Im Jahr 2050 wird es der Studie zufolge fünfzig Millionen weniger Europäer geben als heute - eine „Schrumpfkur“ von 8,3 Prozent. Andere Teile der Welt hingegen werden wachsen, allen voran Afrika, das in vierzig Jahren sein demographisches Gewicht verdoppelt haben wird. Ein globales Phänomen ist die steigende Lebenserwartung und das Älterwerden. Europa ist von der Alterung besonders stark betroffen, sein Sozialsystem wird durch immer mehr ältere und immer weniger jüngere Menschen belastet.

          Bessere Integration von Einwanderern, bessere Bildung und eine familienfreundlichere Politik wären einige Schritte hin zur Abwendung dieser demographischen Krise, heißt es in der Studie. Die Heterogenität der europäischen Staaten biete die Chance, voneinander zu lernen. Island könne Vorbildfunktion haben, sagt Reiner Klingholz vom Berlin-Institut. Das Land mit seiner teuren Infrastruktur hat durch sein kühles Klima und die geringe Einwohnerzahl zwar eine eher schlechte Ausgangslage. Trotzdem bekommen Frauen dort reichlich Kinder, und beeindruckend wenige Menschen sind arbeitslos. Neunzig Prozent der isländischen Väter nehmen eine Familienauszeit. Für Klingholz ist es das modernste Land Europas.

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