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Im Flüchtlingslager Moria : Der Knast im Knast im Knast

  • -Aktualisiert am

Das Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos Bild: Carolin Wiedemann

Die EU will an ihren Außengrenzen „Kontrollierte Zentren“ für Asylsuchende errichten. So etwas gibt es schon, in Moria, auf der Insel Lesbos. Ein Besuch in der Hölle.

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          Im Alten Testament steht Moria für das Land, in dem Abraham seinen Sohn opfern soll. Gott hat es so befohlen. Ein Engel hat Abraham dann davon abgehalten. In Moria auf Lesbos gibt es keine Engel. Moria ist der Ort, an dem die Europäische Union das opfert, wofür sie einst stehen wollte. Und wenn die Regierungen jetzt das tun werden, was sie in der Nacht zum Freitag beschlossen haben, ist Moria bald überall, an allen Außengrenzen.

          Amir Hampay trägt ein knallgrünes T-Shirt, eine kurze schwarze Hose, gelbe Sneakers, und wenn man ihm nicht nahe genug kommt, sieht man die Mottenlöcher nicht; dann sieht Amir gepflegt aus. So gepflegt, wie er es eben sein kann, hier, als Flüchtling auf Lesbos. Amirs schöne Augen sieht man gleich, sie sehen aus wie die seines großen Bruders Arash. Der hat es geschafft. Arash Hampay hat Asyl und ist in Athen. Amir ist noch immer gefangen auf der Insel, seit September 2016, seit die beiden Brüder hier angekommen sind. Das ist so unerträglich für den Älteren, den 32-jährigen Arash, dass er vor zwei Wochen seinen Ausweis einem Freund gab, der nach Lesbos reiste, damit der das Papier an Amir weiterreiche.

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