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Besetzung der Volksbühne : Ein Glücksfall für Dercon

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Die Besetzer nennen es eine „transmediale Theaterinszenierung“: Die Berliner Volksbühne hat ungebetenen Besuch erhalten. Bild: Twitter/vb6112

Dass sich die Besetzer gegen Gentrifizierung einsetzen, wirft ihnen niemand vor. Eine erhebliche Störung stellte ihre Anwesenheit ebenfalls nicht dar. Wo liegt also das Problem? Ein Gastbeitrag.

          Die Berichterstattung über die Besetzung der Berliner Volksbühne  in der Presse und auch die Kommentare der Intendanten anderer Theater (gesammelt in der SZ vom 26. September) leben von der scheinbar selbstverständlichen Prämisse, das ganze Theater sei in einem Handstreich von den Besetzern übernommen worden, deshalb sei kein Probenbetrieb mehr möglich, die dort arbeitenden Künstler seien von den Besetzern verdrängt und die Produktionsmittel und -räume gewaltsam angeignet worden.  Wenn man sich die Situation vor Ort anschaut, wozu ich am 25. September die Gelegenheit hatte, stellt sich aber heraus, dass diese Prämisse vollkommen  unzutreffend ist. Einen solchen Akt der Okkupation ohne Rücksicht auf die dort bereits Arbeitenden hat es nicht gegeben. Die Besetzer und ihre Sympathisanten halten sich lediglich in der Kassenhalle und in den Theaterfoyers  auf. Sie haben offenbar keinerlei Anstalten gemacht, in die übrigen Bereiche des Theaters einzudringen. Die große Bühne, die Salons und der gesamte Rest des Theaters inclusive der altehrwürdigen Kantine sind für die Besetzer unzugänglich. Sie haben zudem von Anfang an erklärt, dass sie mit ihrer „transmedialen Inszenierung“ die laufenden Proben und die Arbeit der Abteilungen nicht zu stören beabsichtigen. Wo liegt also das Problem?

          Dass sich die Besetzer für Demokratie und gegen Gentrifizierung einsetzen und sich mit Fragen der Stadtentwicklung auseinandersetzen,  wirft ihnen niemand vor.  Eine erhebliche Störung des laufenden Betriebs stellt ihre Anwesenheit nicht dar. Die Besitzer wirken manierlich, rücksichtsvoll und ordentlich. Selbst der neue Hausherr Chris Dercon billigt ihre Anliegen und bietet ihnen offenbar eine dauerhafte Präsenz im Haus an, was ihm angesichts der Lückenhaftigkeit seines bisherigen Programms sogar gut in den Kram passen könnte.

          Immerhin ist in der Volksbühne vom Beginn der Spielzeit bis zum 10. November nicht eine einzige Veranstaltung geplant. In der neuen Spielstätte Tempelhof ist der Betrieb ab dem 3. Oktober für diese Spielzeit erst mal beendet. Bis dahin werden auf eine Vorstellung zwei Schließtage kommen, wobei sich die Kosten pro ausgefallener Spieltag summieren. So gesehen erweisen die jungen Leute, die sich wie Dercon für Kollaboration und Partizipation stark machen und wie Dercon einen sehr weiten und diffusen Theaterbegriff haben, dem neuen Hausherrn eigentlich einen unbezahlbaren Dienst: Sie erlauben es, die peinliche Ruhe, die in der Volksbühne im traditionellen Theatermonat Oktober herrschen wird, wenigstens etwas zu kaschieren.

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