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Beruf und Familie : Ihr wollt Kinder? Dann kriegt sie doch!

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Mit Geld lässt sich die eigentlich vorhandene, aber vergangene Lebenszeit nicht mehr zurückkaufen. Lässt sich das wiederum nun den Eltern vorwerfen? Kaum. Junge Menschen, die ihren langwierigen Berufseinstieg als Verkettung glücklicher Umstände begreifen, die sagen, dass sie Chancen genutzt hätten, die ihren Karriereeinstieg also eher als Glücksfall denn als Resultat einer Eigenleistung verstehen, wie es heute üblich ist, treffen keine risikoreichen Entscheidungen wie die für ein Kind. Sie sollten es aber trotzdem tun!

Selbst bei prekärer Beschäftigung muss kaum jemand länger als ein halbes Jahr arbeiten, um sich neben allen laufenden Kosten einen Wäschetrockner und einen Geschirrspüler leisten zu können. Und so falsch es ist, familiäres Glück in profanen materiellen Einheiten zu berechnen: Diese technischen Annehmlichkeiten sind die Grundlage moderner Lebensfreude. Mehr braucht es kaum. Die gute, erlebnisreiche und interessante Gesellschaft, die man sich für seine Kinder wünscht, ist längst da.

Ein früher Feierabend bedeutet nicht mehr Kinder

Der Berliner Autor Malte Welding hat seine Erfahrungen mit seinem Kind jüngst auf einen vermeintlich einfachen Nenner gebracht: Da selbst in China die Geburtenrate höher sei als in Deutschland, könne man nur behaupten, die deutsche Politik betreibe eine „Kein-Kind-Politik“. Doch lässt sich Mutlosigkeit tatsächlich in eine so verknappte Klage ummünzen? Politiker leiden heute selbst darunter, dass ihre Ideen und ihr Handeln wirkungslos verpuffen. Unternehmen haben erkannt, dass es ihnen nicht allzu gut tut, wenn sie Mitarbeiter, die Zeit für Familie einfordern, einfach aussortieren. Wofür ist die niedrige Geburtenzahl nun eigentlich das Symptom? Wer ist anzuklagen – die Politik, die Unternehmer, das Schicksal oder doch man selbst?

Antworten auf die Fragen beim Kapitalismus zu suchen oder im Optimierungswahn zeugt nicht davon, ernsthaft auf der Suche nach Antworten zu sein; hier lassen sich eher Ausreden finden. Warum sollten sich Akademiker, die in Universitäten nicht nur beste „Heiratsmärkte“ vorfinden, sondern auch alles, was Kinder benötigen, plötzlich dann zum Kinderkriegen verleiten lassen, wenn ihnen ihr Arbeitgeber die Möglichkeit eines früheren Feierabends einräumt? Politikern lassen sich vielleicht Sonntagsreden unterstellen. Natürlich stellen sich etliche Fragen zur finanziellen Situation von Familien. Nach nur einem einstündigen Gespräch mit ihnen kommt man aber trotzdem nicht umhin, einzusehen, dass es keine einfachen und erst recht keine logisch erscheinenden politischen Lösungen gibt.

Es lässt sich stattdessen etwas ganz anderes behaupten: Wer tatsächlich unter Kapitalismus und Optimierungswahn leidet, sollte nicht länger warten und eine Familie gründen, um im kleinen Rahmen besser zu machen, was im großen so vermeintlich schief läuft. Gerade Kinder lehren Erstaunliches, beispielsweise, dass es nicht immer Sinn hat zu planen. Dass Ziele fast immer Enttäuschungen bedeuten und kaum etwas mehr Freude bereitet als spontane Überraschungen; wozu beispielsweise die Einsicht gehört, dass Spaß und Freude nicht in Freizeitdauer zu messen sind. Wer der Meinung ist, Glück bestehe darin, Zeit mit Kindern zu verbringen, der sollte Zeit mit Kindern verbringen.

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