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Das Schlosspark Theater in Berlin Bild: dpa

Berliner Theater : Hallervorden klagt gegen Bühnenschließung

  • -Aktualisiert am

Der teilweise Corona-Shutdown betrifft auch Dieter Hallervorden: Als Intendant des Berliner Schlossparks klagt er nun gegen die staatlich verordnete Schließung seines Theaters.

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          Wie die F.A.Z. erfuhr, hat der fünfundachtzigjährige Berliner Theaterimpressario Dieter Hallervorden einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Berlin gegen die Schließung im Rahmen des teilweisen Corona-Shutdowns eingereicht. Der Bund unterstützt die unter der Krise leidenden privaten Theater mit bis zu 30 Millionen Euro, doch das genügt Hallervorden nicht. Sein Eilantrag stützt sich ganz auf die Kunstfreiheit, die im Grundgesetz vom Artikel Fünf Absatz Drei ohne Gesetzesvorbehalt zugesichert wird. Damit steht die Kunst auf einer ähnlichen Stufe wie die Religionsfreiheit und unterscheidet sich – juristisch betrachtet – von der in Artikel 12 und 14 zugesicherten Berufs- und Gewerbefreiheit, die unter Vorbehalt steht. Das Gericht wird den Eilantrag jetzt dem Senat umgehend für eine Stellungnahme vorlegen. Schon bis Ende der Woche könnte eine Entscheidung getroffen sein, die weitreichende Folgen haben könnte.

          Hallervorden, der 1935 als Sohn eines Flugzeugkonstrukteurs in Dessau geboren wurde und zunächst Romanistik und Publizistik in Ost Berlin studierte, flüchtete 1958 in den Westen der Stadt, um Vorlesungen in der Theaterwissenschaft zu belegen. Zwei Jahre später gründete er mit seiner späteren Ehefrau Rotraud Schindler das legendäre Berliner Kabaretttheater „Die Wühlmäuse“. Hier zeigte ein vielseitiges Ensemble tagespolitische Satire und zeitlose Lachnummern. Mit verschiedenen TV-Komikprogrammen und satirischen Revuen machte er sich bald auch überregional einen Namen: Formate wie „Abramakabra“, „Welle Wahnsinn“ oder „Nonstop Nonsens“ erreichten in den Siebzigern und Achtzigern hohe Einschaltquoten und machten ihn bis in die Vereinigten Staaten bekannt. Auch beim Film reüssierte Hallervorden, etwa mit dem sehr erfolgreichen Streifen „Didi – Der Doppelgänger“, der 1984 in die Kinos kam und dessen Rechte bereits ein Jahr später schon in siebenunddreißig Länder verkauft waren. Immer behielt Hallervorden neben der Kunst auch die Einnahmen im Blick. Mit seinem satirischen Monatsmagazin „Hallervordens Spott Light“ erreichte er in der ARD zwischenzeitlich mehr Zuschauer als die „Tagesthemen“. Trotz seines TV-Erfolges blieb der Publikumsliebling seinem Theater treu, stand regelmäßig in den „Wühlmäusen“ auf der Bühne.

          2008 übernahm er mit dem seit einiger Zeit leerstehenden „Schlosspark-Theater“ eine weitere Berliner Spielstätte, die er mit eigenem Kapital – nach eigenen Angaben rund 1, 7 Millionen Euro – sanierte. Ein Jahr später konnte das traditionsreiche Haus in Berlin Steglitz wiedereröffnen – mit Hallervorden selbst auf der Bühne. Die besondere finanzielle Herausforderung eines Privattheaters glich der Unternehmer bislang auf eigene Kosten aus: Neben Zuschüssen etwa durch die Deutsche Klassenlotterie und einigen Direktsubventionen durch das Land Berlin gab er jährlich rund 100.000 Euro Privatmittel für den laufenden Betrieb des defizitären Theaters aus. Mit einer Mischung aus Gastspielen und Eigenproduktionen und den wiederkehrenden Auftritten bekannter Fernsehschauspieler hielt sich das Theater einigermaßen über Wasser und erreichte keine triumphalen, aber durchaus anständige Auslastungszahlen. Nun aber bedroht Corona Hallervordens Lebenswerk existenziell. Er ist der erste, der die Frage nach dem gesellschaftlichen Wert der Kultur vor die Gerichte bringt. Ob andere ihm folgen werden, bleibt abzuwarten.

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