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Studie zu Judenhass im Netz : Antisemitismus ohne Grauzonen

  • -Aktualisiert am

Klassische antijüdische Stereotype, gepaart mit Israelkritik: So kommt der Antisemitismus im Netz heute daher. Bild: dpa

Die Berliner Studie zum Antisemitismus im Netz leistet Großes. Bei der Unterscheidung von Judenhass und legitimer Israel-Kritik verrennt sie sich aber im Positivismus.

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          Das Internet ist grenzenlos, auch was den Judenhass angeht. Das ist eine Kernaussage der Studie „Antisemitismus 2.0“, die die Sprachwissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel kürzlich in der Technischen Universität Berlin vorstellte. Sie und ihr Team haben Zehntausende von Kommentaren, in denen es um das Judentum oder Israel geht, untersucht, um die quantitative Ausbreitung des Antisemitismus und seine unterschiedlichen Formen und Ausprägungen zu bestimmen. Die Texte stammen aus den sozialen Netzwerken, aus Ratgeberportalen und Diskussionsforen sowie den Kommentarbereichen der Online-Medien. Automatisch sendende Programme wie Twitter-Bots wurden ausgeschlossen. Bei einem Teil der Texte erstreckt sich der Untersuchungszeitraum über zehn Jahre.

          Die Bedeutung der Studie liegt nicht nur in ihrem Umfang, sondern auch in der Authentizität der Daten. Erstmals wurden auf breiter Grundlage Meinungen und Emotionen erhoben, die ungefiltert zum Ausdruck kommen. Das ist ein Vorzug gegenüber Umfragen zu antisemitischen Einstellungen, bei denen die Forschungssituation und die Vorsicht der Befragten die Ergebnisse verzerren können. Für die Gewinnung der Textdaten durchsuchte zunächst ein Crawler – ein spezialisiertes Suchprogramm – das Internet nach den Stichworten „Israel“, „Juden“, „Nahost“ und „Antisemit“. Von den 265.000 Kommentaren, die so zusammenkamen, ließen sich 60.550 einer Reihe von Themenschwerpunkten zuordnen. Dazu gehören beispielsweise Stellungnahmen des Zentralrats der Juden in Deutschland, die Auseinandersetzungen um „Kollegah“, eine Debatte um Beschneidungen, Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern oder die NS-Vergangenheit. Die so entstandenen Textsammlungen bilden die Datenbasis der Studie. Ein Drittel der in diesen Korpora zusammengestellten 60.550 Kommentare wurde von den Berliner Wissenschaftlern als antisemitisch eingestuft.

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