https://www.faz.net/-gqz-utjo

Berliner Schloss : Ein republikanisches Versprechen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Endlich steht fest, dass Berlin sein Stadtschloss zurückerhält. Das ist eine einmalige historische Chance. Die Kultur muss sie nutzen - mit einer großen Idee. Die aber ist noch nicht in Sicht. Von Andreas Kilb und Heinrich Wefing.

          6 Min.

          Ohne Zweifel: Die am vergangenen Montag verkündete Entscheidung der Bundesregierung und des Berliner Senats, das Berliner Stadtschloss als „Humboldt-Forum“ mit barocker Fassade neu zu errichten, ist in ihrer Bedeutung schwer zu überschätzen (siehe Berlins Stadtschloss soll ab 2010 gebaut werden). Der Beschluss, von Bundeskanzlerin Merkel beinahe beiläufig, aber entschieden angekündigt, ist ein Markstein in der Geschichte des wiedervereinigten Deutschland. Mit ihm tritt eine öffentliche Debatte, die bereits kurz nach dem Mauerfall von Joachim Fest und Wolf Jobst Siedler angestoßen worden war, endlich in ihre Schlussphase.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Das Schloss - in seiner „konzentrierten“, von kommerzieller Nutzung glücklich befreiten Entwurfsform - wird kommen, so viel ist klar. Nirgendwo erhebt sich mehr Widerspruch dagegen, die Kritiker von einst, ehedem in der Mehrheit, sind verstummt. Was diese neue Entspanntheit im Umgang mit dem architektonischen Erbe Preußens geschichtspolitisch für die Berliner Republik bedeutet, lässt sich noch kaum erahnen.

          Ausschließlich kulturelle Zwecke

          Das neue Schloss wird, das steht nun ebenfalls fest, auch die von Karl Friedrich Schinkel entworfene, von Friedrich August Stüler ausgeführte Kuppel des Originalbaus tragen und sich damit unter die wichtigsten historischen Wahrzeichen Berlins einreihen, neben den Reichstag und das Brandenburger Tor. Beschlossen ist vor allem, dass der Bau ausschließlich kulturellen Zwecken vorbehalten sein soll. Damit erhält Berlin direkt gegenüber der Museumsinsel und in unmittelbarer Nähe zur Humboldt-Universität, dem Deutschen Historischen Museum und zur Staatsoper Unter den Linden ein gewaltiges Forum der Künste und Wissenschaften.

          Kein preußisches Trugbild mehr: Diese Fotomontage soll bald Realität werden

          Was aber soll hier zu sehen, zu erfahren, zu begehen sein? Daran scheiden sich immer noch die Geister. Der brache Schlossplatz ist seit Jahren die Fläche, auf die mit Lust alle erdenklichen Hoffnungen projiziert wurden. Manche wünschten sich hier einen Ort der zeitgenössischen Kunst, andere malten sich ein Volkshaus aus, eine kapitale Begegnungsstätte, von einer riesigen Bibliothek war die Rede, von einer zentralen Repräsentanz der deutschen Wissenschaften in der Hauptstadt oder von einem großen Preußenmuseum. Es war der demnächst aus dem Amt scheidende Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, der die Diskussion erstmals aus dem Luftigen des Visionären hinab in die Realität zwang, als er vor sieben Jahren vorschlug, die ethnologischen und asiatischen Sammlungen der Staatlichen Museen aus dem vorstädtischen Dahlem auf den Schlossplatz zu holen.

          „Urbaner Weltort für Kunst und Kultur“

          Ein einmaliger Bestand außereuropäischer Kunstschätze und Kulturgegenstände, der derzeit abseits der Publikumsströme in exquisiter Isolation verdämmert, würde so ins Rampenlicht der Berliner Republik gerückt. Vor allem aber fand Lehmanns Inititative, verlockend mit den Namen von Alexander und Wilhelm von Humboldt verknüpft, allgemeinen Anklang. Auch, weil er gleich eine finanzielle Lösung anbot: Durch den Umzug würde die Stiftung von den Kosten einer Sanierung der baufälligen Museumsgebäude in Dahlem befreit, die auf hundert Millionen Euro geschätzt werden; zudem ließen sich die freiwerdenden Grundstücke verkaufen und damit weitere Mittel für das Humboldt-Forum gewinnen. Im Kern stecken diese Überlegungen auch heute noch hinter der Entscheidung des Bundes, den Löwenanteil der auf 480 Millionen Euro veranschlagten Baukosten zu übernehmen.

          Weitere Themen

          Virtuelle Wiedervereinigung

          Beutekunst aus Russland : Virtuelle Wiedervereinigung

          Russland und Deutschland kommen bei der Digitalisierung von Beutekunst voran. Wenn die Bearbeitung der schwierigen Vergangenheit neue Wege virtueller Kooperation eröffnet, können alle Seiten nur gewinnen. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.