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Hauptstadtbeleuchtung : Rettet Berlins Gaslaternen!

  • -Aktualisiert am

Bedrohte Art: Eine Berliner Gaslaterne Bild: akg-images / L. M. Peter

Straßenbeleuchtung ökologisch effizienter zu gestalten, ist eigentlich ein guter Gedanke. Doch Berlin setzt an der falschen Stelle an und modernisiert ein Stück kulturelles Erbe der Hauptstadt. Ein Gastbeitrag.

          Elektrische Straßenlaternen gibt es in Berlin reichlich: 184.000. Auch heute noch wird ihr Strom vorwiegend aus Braunkohle erzeugt, so dass sie massive CO2-Förderer sind. Auch entspricht jede vierte Elektrolampe von 2017 an den Effizienzanforderungen der Europäischen Union nicht mehr. Viele von ihnen im ehemaligen Ostsektor befinden sich in einem maroden Zustand. Gegenstand einer umfassenden Erneuerung der Straßenbeleuchtung Berlins sind jedoch nicht Elektro-, sondern allein Gaslaternen, über die die westlichen Alliierten ihre schützende Hand gehalten hatten. Der Anteil der Gaslaternen an den gesamten CO2-Emissionen Berlins beträgt lediglich 0,17 Prozent. Damit sind sie kein vorrangiges Problem für den Klimaschutz. Doch könnten sie nun kurz vor der vollständigen Zerstörung stehen.

          Die SPD/CDU-Koalition im Land Berlin hatte 2011 beschlossen, die Gaslaternen auf Berlins Straßen und Plätzen vollständig abzuschaffen. Seitdem sind bereits 7.750 von ihnen zersägt, verschrottet und durch viel zu helles Licht veralteter Elektrolampen mit Quecksilber (nicht LED) ersetzt worden. Der Berliner Senat ist nicht müde geworden, öffentlich die Lichtqualitäten seiner unangenehmen Lampen zu preisen. Die für diese Aktion bewilligten rund dreißig Millionen Euro dürften bereits vollständig aus dem Landesetat abgeflossen und weitere fünf Millionen Euro undurchsichtiger Herkunft hinzugekommen sein. Aufgrund des Steuersegens für die Stadt besteht nunmehr die Gefahr, dass nach Abschluss der derzeitigen Haushaltsberatungen für 2016 und 2017 das Bündnis von SPD/CDU einen noch weit höheren Betrag absegnen wird, um so das Gaslicht der Stadt bis auf einen kläglichen Rest gänzlich zum Erlöschen zu bringen. Die gesamte Investition wird auf mindestens zweihundert Millionen Euro geschätzt. Sollte jetzt erstmals flächendeckend in LED-Lampen investiert werden, könnte sich die Gesamtsumme für die Senatsaktion leicht auf vierhundert Millionen Euro erhöhen.

          Ein einzigartiges kulturelles Erbe

          Das Ensemble von 44.000 Gaslaternen in Berlin ist weltweit einzigartig. Der World Monuments Fund (WMF) in New York hat daher das Gaslicht und die Gaslaternen Berlins auf seine Watch List gesetzt, mit der von Untergang oder Vernichtung bedrohtes kulturelles Welterbe in das öffentliche Bewusstsein gerückt wird. Ein weiteres Objekt aus Deutschland findet sich auf der Liste nicht. Jedoch gibt die Tatsache, dass die Watch List auch das vom Untergang bedrohte Venedig nennt, einen eindrucksvollen Hinweis auf den international bedeutsamen Rang des Berliner Licht- und Laternenensembles. Neben dem WMF und vielen Bürgern fordern auch renommierte Denkmalschutzorganisationen wie Europa Nostra, das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die historischen Gaslaternen zu erhalten.

          „Transparenz und Bürgerbeteiligung sind für uns selbstverständlich“, klang es noch vor kurzer Zeit aus der Spitze des Senats. Von Transparenz jedoch kann hier nicht die Rede sein. Denn der Senat hat bis heute nicht seine Behauptung belegen können, Elektrolicht sei wirtschaftlicher für Berlin als Gaslicht. In dieses Bild passt auch, wenn es jetzt heißt, die gerade installierten 7.750 Elektrolampen seien „derweil veraltet“ - wo doch der Senat deren neue Technik eben noch gerühmt hatte. Und weiter heißt es dann, dieser Auftrag sei „wegen eines Formfehlers bei der Ausschreibung“ erfolgt. Ja klar, so ist es eben. Und die Frage der politischen Verantwortung oder die der strafrechtlichen Untreue? Nach europaweiter Ausschreibung hatte der Hersteller aus dem Bezirk Tempelhof den Zuschlag erhalten, in dem der seinerzeit zuständige Senator und jetzige Regierende Bürgermeister seinen Wahlkreis hat. Damit stellt sich auch die Frage, ob das Geschäft nicht eine staatliche Beihilfe an den Hersteller war, die der Senat bei der Europäischen Kommission anzuzeigen hatte.

          Beim Gaslicht und den Gaslaternen Berlins handelt es sich um ein einzigartiges kulturelles Erbe. Seine Zukunft darf nicht Willkür oder Gusto überlassen bleiben. Sollte etwa Le Corbusiers Kirchenbau in der Burgundischen Pforte abgerissen werden oder der Dom in Köln, weil die Heizkosten hoch sind? Der öffentliche Raum lebt von den Gegensätzen zwischen dem Einst und Jetzt. Berlin hat genug gelitten.

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