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„Schaufenster des Weltwissens“ : Berlin erhält sein Stadtschloss zurück

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Kein preußisches Trugbild mehr: Diese Fotomontage soll bald Realität werden Bild: ddp

Es geht ein jahrelanger, hitziger Streit um die Gestaltung der Berliner Stadtmitte zu Ende: Sie erhält ihr Stadtschloss zurück samt Rekonstruktion der barocken Fassaden. Die Kosten werden derzeit auf rund 480 Millionen Euro geschätzt.

          Berlin erhält sein Stadtschloss zurück. Das Bundeskabinett billigte am Mittwoch die Finanzplanung für den Bau eines „Humboldt-Forums“ im Zentrum Berlins samt Rekonstruktion der barocken Fassaden des ehemaligen Stadtschlosses. Außerdem beschloss das Kabinett den Haushaltsentwurf Bundesfinanzminister Steinbrücks (SPD) für das Jahr 2008 und die mittelfristige Finanzplanung.

          Das Konzept des Bundesbauministers Tiefensee (SPD) sieht vor, in einem Neubau auf dem Areal des 1950 gesprengten Hohenzollernschlosses die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen, die wissenschaftshistorischen Kollektionen der Humboldt-Universität sowie Bestände der Berliner Zentral- und Landesbibliothek unterzubringen. Eine „Agora“, ein eigener Veranstaltungsbereich, werde die Volkshaustraditionen des Palasts der Republik fortführen, hieß es. So könne „im Herzen der Hauptstadt“ ein „Schaufenster des Weltwissens“ entstehen, schwärmte der Minister, der sich zuversichtlich zeigte, dass seine Vorschläge auch im Bundestag gebilligt würden.

          Signal an mögliche Spender

          Mit den Bauarbeiten soll im Jahr 2010 nach dem Abriss des Palasts der Republik begonnen werden; die Eröffnung des Humboldt-Forums ist für Ende 2013 geplant. Derzeit werde ein zweistufiger Architektenwettbewerb vorbereitet, der bereits im Herbst ausgelobt werden soll, teilte Tiefensee mit. Dessen Ziel sei es, ein modernes Museum zu schaffen, aber auch die wechselvolle Geschichte des Ortes in der Architektur ablesbar zu machen. Es werde mit dem Bundesfinanzministerium geprüft, ob sich auch private Investoren im Rahmen eines „public private partnership“ an dem Bauvorhaben beteiligen könnten.

          Die Kosten für den Bau des Humboldt-Forums werden derzeit auf rund 480 Millionen Euro geschätzt. Das sei angesichts der Aufwendungen für Verkehrsbauten und den Ausbau der Kinderbetreuung ein angemessener Betrag, sagte der Bauminister. 32 Millionen Euro wird der Berliner Senat beisteuern, der auch das Baugrundstück zur Verfügung stellt. Die Mehrkosten für die Fassadenrekonstruktion in Höhe von etwa achtzig Millionen Euro will eine private Initiative aufbringen. Sollte dies bis 2013 nicht gelingen, werde der Bund diesen Betrag vorfinanzieren, kündigte Tiefensee an. Er betonte zugleich, dass der Kabinettsbeschluss als deutliches Signal an mögliche Spender gedacht sei, jetzt Geld bereitzustellen.

          Mit der Entscheidung des Bundeskabinetts geht ein jahrelanger, hitziger Streit um die Gestaltung der Berliner Stadtmitte zu Ende. Kulturstaatsminister Neumann (CDU) begrüßte die Entscheidung als „enormen Gewinn“ für Berlin, während die Oppositionspartei Die Linke das Konzept als einfallslos kritisierte.

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