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Berlin : Endgültig: Palast der Republik wird abgerissen

  • Aktualisiert am

Licht aus: Der Palast muß weichen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Alle Proteste waren vergebens: Der Palast der Republik im Herzen Berlins muß weichen. Der Bundestag hat am Donnerstag gegen einen Aufschub des bereits beschlossenen Abrisses gestimmt.

          Die ersten Baustellenzäune stehen, ein Schiffsanleger in der Spree zum Abtransport des Schutts ist gebaut, die Abrißarbeiten sollen noch in diesem Monat beginnen. Nun hat der Bundestag den Freunden des Palastes der Republik auch die letzte Hoffnung genommen: Am Donnerstag stimmten die Parlamentarier mit großer Mehrheit gegen Anträge der Grünen und der Linkspartei, die ein Abriß-Moratorium für den Palast gefordert hatten, für eine weitere kulturelle Zwischennutzung.

          In namentlicher Abstimmung wies das Parlament am Donnerstag Anträge der Linkspartei und der Grünen zurück, nicht mit dem bereits geplanten Abriß zu beginnen. Für die Oppositionsanträge votierten lediglich 120 von 569 Abgeordneten. Dagegen stimmten 431 Parlamentarier, es gab 18 Enthaltungen.

          Humboldt-Forum nicht finanzierbar?

          Für den Abriß sind bisherigen Plänen zufolge eineinhalb Jahre veranschlagt. Der Palast der Republik war zwischen 1973 und 1976 nach Plänen der Architekten Heinz Graffunder und Karl-Ernst Swora gebaut worden. Der an der Spree gelegene Prachtbau war mit seinem großen Saal für mehr als 4000 Zuschauer, einem Theater und vielen Gaststätten eine im Ostteil Berlins beliebte Vergnügungsstätte. In dem vom Volksmund „Palazzo Prozzo“ genannten Palast fanden aber auch die mit großem Pomp inszenierten Parteitage der SED und Kongresse des Gewerkschaftsbundes FDGB statt.

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          Die Abgeordneten der ersten und letzten frei gewählten Volkskammer stimmten in dem Gebäude im Sommer 1990 für den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Kurz darauf wurde es wegen Asbestverseuchung geschlossen. Nach der Sanierung war von „Erichs Lampenladen“, wie der Palast wegen seiner vielen Leuchtkörper auch genannt wurde, nur noch ein Skelett aus Stahl, Beton und Glas Ruine übrig. Nach einem Bundestagsbeschluß vom Juli 2002 soll auf dem Areal ein Gebäude in der Kubatur des 1950 gesprengten Stadtschlosses errichtet werden.

          Nach Auffassung von Links-Fraktion und Grünen haben sich die finanziellen und planerischen Voraussetzungen für ein Humboldt-Forum an Stelle des Palasts jedoch seit 2002 grundlegend geändert. Beide Fraktionen verwiesen in ihren Anträgen auf die erwarteten Kosten von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Nach Einschätzung der Grünen ist zudem der Baubeginn „nicht vor 2012 zu realisieren“.

          Kreatives Zentrum

          Die Konzerte, Ausstellungen, Theateraufführungen und Partys der letzten zwei Jahren hatten nicht nur national, sondern auch im Ausland - von New York bis Tokio - für Aufsehen gesorgt. Eine Art Centre Pompidou sei da in dem Rohbau mit seinen kalten Stahlträgern im Entstehen, wurde behauptet. Auf jeden Fall hatte sich der Palast oder das, was von ihm nach der Asbestsanierung übrig geblieben war, zu einem kreativen Zentrum mit breiter Ausstrahlung für eine pulsierende Hauptstadt entwickelt. Das soll jedoch nun schnellstmöglich weg.

          Anstatt dessen soll auf dem Areal eine Wiese angelegt werden - die so lange bleibt, bis geklärt ist, wie ein neues Gebäude an dieser Stelle finanziert werden kann. Wie es aussehen soll, ist immerhin geklärt: Drei Fassaden sollen die Gestalt des 1950 gesprengten Stadtschlosses annehmen, die vierte soll moderner werden. In das Gebäude soll unter anderem ein „Humboldt-Forum“ einziehen. In diesem sollen dann die außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die wissenschaftliche Sammlung der Humboldt-Universität gezeigt werden. Darüber hinaus soll es Theater, Kino, Konferenzbereiche, Museumsshops sowie Restaurants und Cafés geben. Das alles könnte viel kosten, bis zu 1,2 Milliarden Euro, schätzen Experten. Und wie die aufgetrieben werden sollen, weiß bislang niemand.

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