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Prävention von Extremismus : Meine Mutter zu beleidigen, ist keine Meinung

  • -Aktualisiert am

Französische Schüler legen im November 2020 eine Schweigeminute für den ermordeten Lehrer Samuel Paty ein. Bild: Picture-Alliance

Wie weit darf Toleranz gehen und wo endet sie? Ein Psychologe und sein Team geben ein Seminar zur Extremismus-Prävention in einer zehnten Klasse. Die Diskussion zeigt, wie schmal der Grat zwischen Empathie, Entrüstung und Aufklärung ist.

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          Es liegt einige Monate zurück. Wie in Zeiten von Corona üblich standen wir mit Schutzmasken an einem grauen Wintertag in einer ziemlich kalten Sporthalle mit der Klasse 10b einer Gesamtschule im Norden Deutschlands. Es war acht Uhr morgens, draußen Regen, drinnen recht verschlafene Schülerinnen und Schüler. Mein Team und ich von „MIND Prevention“, unserer Initiative zur Prävention von Radikalisierung und für Demokratieförderung, waren vom Kollegium eingeladen worden. Rollenspiele, so unsere Erfahrung, sind ein guter Einstieg. Anstatt Thesen vorzutragen, eröffnen wir die Diskussion mit typischen Szenen aus dem Alltag, die wir darstellen. Dabei geht es um Erziehung, um Beziehungen, Familien und deren Werte. Schüler mit Migrationsgeschichte mögen uns meist spontan, wenn wir anfangs erzählen, dass unsere eigenen Familien aus Palästina, der Türkei, Syrien oder Ägypten kommen.

          Beim ersten Rollenspiel geht es um einen Streit zwischen Mutter und Tochter. Die Tochter, 19 Jahre, will ausziehen. Im Zuhause der Eltern lebt sie weit weg von der Klinik, an der sie zur Krankenschwester ausgebildet wird, und die vielen Geschwister stören sie beim Lernen. Sie könnte jetzt mit einer Kollegin in eine Wohnung nahe der Klinik ziehen. „Aber nein!“, entrüstet sich die Mutter. Die Tochter solle daheimbleiben, „das ist unsere Tradition!“ Sie appelliert ans Gewissen: „Wer soll mir hier helfen, wenn du nicht da bist?“ Sie warnt: „Als Frau alleine zu wohnen, das ist gefährlich!“. Sie schimpft: „Was werden Vater, Brüder, Nachbarn sagen, wenn du unverheiratet ohne uns lebst?“

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