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Suizid nach #MeToo-Vorwürfen : Kein Tag, an dem sie nicht an ihn denkt

  • -Aktualisiert am

Åsa Linderborg leitet das Feuilleton der Zeitung „Aftonbladet“. Bild: Felipe Morales

Trägt die Presse Mitschuld am Tod des schwedischen Theaterdirektors Benny Fredriksson? Ein Besuch bei Åsa Linderborg, der Kulturchefin der Boulevardzeitung „Aftonbladet“ in Stockholm.

          7 Min.

          Es kann nur dieser sonnige Morgen in Stockholm sein, der dazu führt, dass Åsa Linderborg, die Kulturchefin der Boulevardzeitung „Aftonbladet“, in der Tür des gläsernen Bürogebäudes neben dem Bahnhof steht und lächelt – denn nach Lächeln ist ihr eigentlich nicht zumute. Mitte März nahm sich Benny Fredriksson das Leben, bis Dezember Direktor des für Schweden so wichtigen Stockholmer Stadttheaters. Und in einer Pressemitteilung seines Nachfolgers hieß es: „Nachdem er sechzehn Jahre lang sein Leben der Leitung und Entwicklung des Kulturhusets Stadtsteatern gewidmet hat, verließ Benny Fredriksson sein Lebenswerk abrupt als Folge einer grenzenlosen medialen Treibjagd.“ Diese habe ihm eine Wunde geschlagen, „die nicht heilen konnte.“

          Das Theater sagt heute: Der Hinweis auf die mediale Treibjagd habe sich allein auf den Rücktritt im Dezember und nicht den Tod bezogen. Aber der Satz mit der Wunde gehört ja dazu. So oder so waren die Äußerungen eine Anklage gegen die Zeitung „Aftonbladet“, die Fredriksson im Dezember mit Vorwürfen überhäuft hatte, und gegen alle Medien, die diese Story unkritisch weitererzählten. In „Aftonbladet“ hieß es damals, Fredriksson werde von seinen Mitarbeitern als „unberechenbarer Diktator“ beschrieben, „der auf eine Abtreibung drängte, das Personal sexuell belästigte und wiederholte Male männliche Schauspieler Übergriffe begehen ließ, ohne Folgen“ – eine Enthüllungsgeschichte im Herbst von „Metoo“.

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