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Anti-Missbrauchsgipfel in Rom : Vor der Kirchtür

Mitglieder der Organisation Ending Clergy Abuse (ECA) beim Anti-Missbrauchsgipfel in Rom Bild: AP

Vier Tage lang sprechen die Vorsitzenden aller nationalen Bischofskonferenzen im Vatikan über die Missbrauchsskandale. Die Tränen von Kardinälen rühren die seit Jahrzehnten gegen das Vertuschen der Kirche kämpfenden Opfer wenig.

          Vom Petersplatz zur Engelsburg am Tiberufer ist es kaum einen Kilometer. Dort verläuft die Frontlinie eines Kampfes. Es ist der Kampf um die Diskurshoheit über den historischen Bischofsgipfel zum Missbrauchsskandal in der Weltkirche. Über das viertägige Treffen der Vorsitzenden aller nationalen Bischofskonferenzen hat der Vatikan den Dreifachtitel „Verantwortung, Rechenschaft, Transparenz“ gesetzt.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Was die Transparenz angeht, hat immerhin das für Kommunikation zuständige Dikasterium des Vatikans einen großen Schritt gewagt. Für die viertägige Konferenz wurde eigens eine Website eingerichtet, auf der quasi in Echtzeit in allerlei Sprachen die maßgeblichen Redebeiträge von Bischöfen und Kardinälen, die Worte und Vorschläge des Papstes, auch die erschütternden Videobotschaften von Missbrauchsopfern veröffentlicht werden. Zudem gibt es einen Livestream der Plenumssitzungen auf der Website von Vatican News. Schließlich kommen jeden Tag Vatikansprecher und Konferenzteilnehmer nach Abschluss der Beratungen zur Pressekonferenz.

          Die Opfer sind auf eigene Kosten nach Rom gereist

          Und wenn die vorüber ist, dann bitten die Missbrauchsopfer, die Vertreter von Opferverbänden aus aller Welt, um Gehör. Anders als die Bischöfe aus aller Herren Länder, deren Flugtickets die Weltkirche bezahlt hat, sind sie auf eigene Kosten nach Rom gereist. Sie stehen in kleinen Grüppchen auf der Via della Conciliazione, gleich vor dem Pressesaal des Vatikans, oder eben auf dem Platz vor der Engelsburg.

          Dort fand am Donnerstagabend, zum Abschluss des ersten Konferenztages, eine „Mahnwache für Gerechtigkeit“ des Opferverbandes „Ending Clergy Abuse“ (ECA) statt. Mit der Organisation kämpfen Missbrauchsopfer aus siebzehn Ländern von fünf Kontinenten für „weltweite Gerechtigkeit“. Den ganzen Tag über hatten Agenturen, Sender, Zeitungen vom Geschehen in der Synodenhalle des Vatikans berichtet: über die Tränen des Kardinals von den Philippinen, die Forderung des Papstes nach „konkreten und wirksamen Maßnahmen“ zum Schutz vor Missbrauch, die 21 „Denkanstöße“ von Franziskus für die Bischöfe.

          Doch Tränen von Kardinälen rühren die Opfer, von denen viele seit drei Jahrzehnten gegen das Verschweigen, Vertuschen und Heucheln der Kirche kämpfen, nicht mehr zu Tränen. Die 21 Punkte des Papstes seien „weniger als nichts“, klagt der Amerikaner Peter Isely von ECA. Darin finde sich zwar die Anweisung an die Bistümer, keine Listen von angeklagten Geistlichen zu veröffentlichen, so lange diese nicht verurteilt seien, aber es fehle die von vielen Opferverbänden erhobene Forderung, dass alle des Missbrauchs überführten Kleriker aus dem Priesterstand ausgeschlossen werden müssten. Was drüben im Vatikan als beispielloser Antimissbrauchsgipfel medial aufbereitet wird, erscheint den Missbrauchsopfern am Fuße der Engelsburg, wo sich einst die Päpste bei Gefahr verschanzten, wie ein Trippelschritt.

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