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Embryonenforschung : Beginnt menschliches Leben später als angenommen?

Dieses brisante Mikroskop-Foto wirft neue Fragen auf. Bild: EMBL

Der Moment der Verschmelzung gilt bisher als Beginn einer schützenswerten Existenz. Jetzt haben Forscher spektakuläre Bilder von einem Embryo im Frühstadium aufgenommen, die den Gesetzgeber herausfordern.

          3 Min.

          Die Frage, wann menschliches Leben beginnt, wann es auch Würde und Schutz genießen soll, hat, angefangen mit dem Abtreibungsstreit bis zur Debatte um künstliche Befruchtung und um Stammzellen, weiß Gott unvergessliche Momente des deutschen Parlamentarismus hervorgebracht. Politisch verdrängt werden diese trotzdem, und das schon seit Jahren. Das Embryonenschutzgesetz, ein nach allen Regeln der wissenschaftlichen Evidenz nicht nur begrifflich angreifbares, sondern von den wissenschaftlichen Fortschritten immer wieder neu herausgefordertes, ja in Teilen auch überholtes Gesetz aus dem Jahr 1990 gilt in Berlin als heikel – und deshalb unantastbar. Aus den Augen, aus dem Sinn bleibt die biopolitische Marschrichtung, allen Versuchen etwa der Wissenschaftsakademien zum Trotz, nötige Korrekturen einzuleiten.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Doch was hilft’s? Was hilft eine biopolitische Atempause, wenn die biotechnologische Forschung weiter so gewaltig aufs Tempo drückt? In der amerikanischen Wissenschaftszeitschrift „Science“, die gewöhnlich nur Durchbrüchen von internationalem Rang auch noch politischen Raum einräumt, kommen an diesem Freitag zwei Biochemikerinnen aus Göttingen zu Wort, die nichts weniger als die Umdeutung des rechtlichen Status des Embryos fordern: „Wir müssen neu definieren, wann Leben beginnt.“

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