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Zofia Posmysz überlebte das KZ : Dort, in Auschwitz

Das Medaillon um ihren Hals bekam Zofia Posmysz von einem Mithäftling. Bild: Dmitrij Leltschuk/laif

Zofia Posmysz hat den Horror der Massenvernichtung überlebt. Sie sah die Menschen, die ins Gas gingen, und es nicht wussten. Nach dem Krieg schrieb sie die Vorlage für eine Auschwitz-Oper. Eine Begegnung.

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          „Alle Lokomotiven pfeifen genauso. Aber wenn ich heute eine Lokomotive pfeifen höre, bin ich sofort wieder dort. Dieser Pfiff, das ist nicht mehr die Lokomotive meiner Kindheit. Ist das nicht ein Rätsel für die Neurologen?“ Zofia Posmysz weiß es: Ihr Vater war Lokomotivführer. Die zierliche Frau mit einem immer noch kräftigen Händedruck wurde 1923 in Krakau geboren. 1942, als ihre Kindheit vorbei und Polen unter deutscher Besatzung war, wurde sie mit Flugblättern einer Organisation des Widerstands erwischt und ins Lager gebracht. Wenn sie „dort“ sagt, meint sie Auschwitz. „Und wenn ich heute zu einer Begegnung mit Jugendlichen in die dortige Gedenkstätte fahre und in der Stadt Oświęcim auf dem Trottoir die Absätze klappern höre, denke ich, ich laufe über einen Friedhof. Die Asche wurde ja auf alle Felder rundum verstreut.“

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Zofia Posmysz wohnt seit 1960 in einer Wohnung in Warschau; der Wohnblock wurde auf dem ehemaligen Getto-Gelände errichtet, einen Steinwurf von der wiederaufgebauten Altstadt entfernt. Sie empfängt mit Mohnkuchen und Tee. Auf dem Tisch steht noch der Adventskranz; an den Wänden hängen Gemälde. Aus dem Bücherregal grüßen auf Kärtchen drei Päpste, von dem Krakauer Johannes Paul bis zu Franziskus. Daneben der heilige Maximilian Kolbe, der in Auschwitz freiwillig in den Hungerbunker ging, womit er einem Mithäftling das Leben rettete.

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