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Beatmung in der Medizin : Eine Frage von Recht und Ethik

  • -Aktualisiert am

Lebensrettend: Mit diesen Maschine werden Patienten unter anderem künstlich beatmet. Bild: Drägerwerk AG

Wenn lebensrettende Maßnahmen abgebrochen werden, ist das Tötung. Ältere Menschen haben genauso viel Recht auf Beatmung wie jüngere. Ein Gastbeitrag.

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          In einem erhellenden Artikel hat Bettina Schöne-Seifert in dieser Zeitung die moralischen Probleme sogenannter Triage-Entscheidungen über die Zuteilung oder Verweigerung von Beatmungsplätzen für Covid-19-Patienten analysiert. Die verschiedenen Dilemma-Konstellationen werden deutlich, die kontroversen ethischen Maßgaben und die tief ins Fundament der Moraltheorien reichenden Gründe ihrer Divergenzen ebenfalls. Manche Entscheidungen, auch das zeigt der Text, bleiben tragisch, selbst wenn die eine oder andere Ethik sie als moralisch geboten markiert. Neben allen sonstigen Debatten brauchen wir jetzt diese Art des Räsonnements. Die Szenarien, die es klärt, könnten im schlimmsten Fall auch unsere Intensivstationen erreichen und ein schwer erträgliches Regime undurchschauter Zwänge entfalten.

          Gleichwohl enthält der Text einen grundlegenden Mangel. Den Blick dafür verstellt sich die Autorin mit einer Behauptung, die sie als allseits anerkannte Überzeugung ohne weiteres voraussetzt. In ihrer geläufigen Verwendung stimmt diese Behauptung auch, für Triage-Entscheidungen jedoch nicht. Erkennt man das, so öffnet sich eine Argumentlücke und gibt den Blick frei auf eine Kollision von Maximen der Ethik (wie plausibel auch immer) mit fundamentalen Prinzipien des Rechts. Bedeutung und Tragweite dieses Konflikts und das Rangverhältnis der kollidierenden Normen werden in medizinischen Empfehlungen zur Triage nicht selten verkannt. Auch Bettina Schöne-Seifert schiebt das Problem zu leichthändig aus dem Weg ihres Arguments.

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