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Bayreuther Festspiele : Staatsgeschenk an Wolfgang Wagner

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Die Töchtergeneration, vorsortiert - Szene aus der aktuellen Bayreuther „Rheingold”-Inszenierung Bild: dpa

Der Streit um die Nachfolge der Festspielleitung geht weiter: Auch der Bund hat an der jüngsten Intrige kräftig mitgestrickt, die Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner begünstigt.

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          Im Streit um die Nachfolgeregelung der Bayreuther Festspiele tun sich weitere Abgründe auf. Der Plan, die Nachfolgefrage in der kommenden Sitzung des Stiftungsrates am 29. April kurzerhand für die beiden Halbschwestern Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner zu entscheiden und die bereits erfolgte Bewerbung Evas mit Nike Wagner unter den Tisch fallen zu lassen, wird nicht nur auf allen Seiten im Rat begrüßt, sondern von den Vertretern der öffentlichen Hand auch aktiv vorangetrieben.

          Nachdem es bislang so schien, als ob die Initiative zu diesem Coup, der auf eine Idee der finanzkräftigen „Gesellschaft der Freunde Bayreuths“, des Hauptmäzens der Festspiele, zurückgeht, allein vom bayerischen Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Thomas Goppel, ausgegangen sei, liegt nun zutage, dass der Bund hinter den Kulissen von Anfang an dieser Intrige mit gestrickt hat. Wie die Behörde des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann, gegenüber dieser Zeitung bestätigte, konnte Goppel in dem Brief, in dem er Eva und Katharina Wagner zur gemeinsamen Bewerbung aufforderte, auf eine Absprache mit Neumann verweisen. Ein für den heutigen Mittwoch angesetztes Treffen von Stiftungsratsmitgliedern kann nicht den Zweck haben, die Vertreter des Bundes auf die bayerische Linie zu bringen, da man sich von vornherein einig gewesen ist.

          Ein Rücktritt ist bislang weder erfolgt noch angekündigt

          Dem Brief Goppels ging ein vom 8. April datierender Brief Wolfgang Wagners an Goppel, den Stiftungsratvorsitzenden Toni Schmidt und den Bayreuther Oberbürgermeister Michael Hohl voraus. Darin hat Wagner zweierlei erklärt: Zum einen stellt er fest, „dass meine nachfolgenden Ausführungen unter keinen Umständen als Rücktrittserklärung oder als Absichtserklärung hierzu zu verstehen sind“. Zum anderen macht er dennoch klar, dass er sowohl einer „Bewerbung mit Christian Thielemann, Peter Ruzicka und Katharina Wagner, aber insbesondere auch einer Bewerbung meiner beiden Töchter für die Festspielleitung zustimmen“ würde. „In beiden Fällen“, heißt es hierzu, „wäre ich bereit, die Festspielleitung zu einem angemessenen, von mir zu bestimmenden Zeitpunkt abzugeben“.

          Ein Rücktritt ist also bislang weder erfolgt noch angekündigt. Er wird lediglich für den Fall in Aussicht gestellt, dass sich der Stiftungsrat für eine der von Wolfgang Wagner genannten Lösungen entscheidet. Nun sieht die Satzung des Stiftungsrats eine Selbstauswahl seines Nachfolgers durch den Festspielleiter jedoch nicht vor – im Gegenteil. Der Rat darf das Findungsverfahren überhaupt erst dann einleiten, wenn der Vertrag mit dem Leiter ausgelaufen ist oder klargestellt wurde, dass er ausläuft. Von diesem Zeitpunkt an legt die Satzung weiterhin eine Frist von vier Monaten fest, innerhalb der Bewerbungen eingereicht werden können. Da der alte Wagner sich bislang geweigert hat, zurückzutreten, ist bis heute noch kein offizielles Findungsverfahren eingeleitet worden.

          Der Sinn der Satzung wird pervertiert

          Aus der Neumann-Behörde verlautet, den Staatsminister leite in seinem Versuch, die Nachfolgefrage jenseits der Verfahrensregeln schnell zu einer Klärung zu bringen, die Frage, wie der Wille Wolfgang Wagners umzusetzen sei – denn nur im Einvernehmen mit Wagner sei das Nachfolgeproblem zu lösen. Der Minister fühle sich durch den Brief Wagners daher auch nicht erpresst.

          Der Sinn der Satzung wird dadurch geradezu pervertiert. Denn ihr Zweck liegt darin, dem Willkürakt einer simplen Designation mit der Alternative eines rationalen Verfahrens zu begegnen – dieses Verfahren ist der rechtsstaatliche Preis für die Aufrechterhaltung der dynastischen Konstruktion. Wird am 29. April eine Entscheidung gefällt, dann sind die Regeln des Verfahrens durchbrochen worden: Weder ist Wolfgang Wagner schon zurückgetreten, noch wird bis dahin die viermonatige Bewerbungsfrist verstrichen sein. Zwar wollen sich die Stiftungsratmitglieder, wie zu hören ist, auf eine „Notfallklausel“ der Satzung berufen, die besagt: „Soweit sofort eine Entscheidung getroffen werden muss, entscheidet der Stiftungsrat allein unter Abwägung aller Gesichtspunkte über die unumgänglichen Maßnahmen“.

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