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Bayreuther Festspiele : Geschäftszweck Einflussnahme

  • -Aktualisiert am

Geschäftsführerin ohne Gewinnerwartung: Katharina Wagner Bild: ddp

Vor Jahr und Tag hatte Wolfgang Wagner seine Tochter Katharina nicht nur als Leiterin, sondern auch als Geschäftsführerin der Festspiele einsetzen lassen wollen. Jetzt führt sie schon einmal ein anderes Bayreuther Geschäft - mit Gewinnbeteiligung und Sperrminorität.

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          Am 21. Juni des vergangenen Jahres setzten die Anwälte des Bayreuther Festspielleiters Wolfgang Wagner eine Vereinbarung auf zwischen der Bundesrepublik Deutschland, dem Freistaat Bayern, der Stadt Bayreuth sowie der Bayreuther Festspiele GmbH, Wolfgang Wagner und seiner Tochter Katharina. Gegenstand des vierseitigen Schreibens ist ein Übereinkommen der Vertragsparteien, „in Achtung vor den künstlerischen und organisatorischen Verdiensten Wolfgang Wagners um die Bayreuther Festspiele dessen Vorschlag zu folgen, seine Tochter Katharina Wagner als Festspielleiterin und Geschäftsführerin zu bestellen“.

          Das Schreiben regelt die Modalitäten der künftigen Festspielleitung bis in die Details der Vergütung und des Urlaubsanspruches hinein. Wolfgang Wagner, so legt es Absatz II Punkt 5 fest, erklärt im Gegenzug die Übertragung seiner Geschäftsanteile an die Vertreter von Bund, Land, Stadt und der „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“.

          Gesellschafterin mit Gewinnbeteiligung

          Das Papier ist dem Vorsitzenden der mäzenatischen „Freunde“-Gesellschaft vorgelegt, jedoch nach Kenntnis der F.A.Z. nicht im Stiftungsrat diskutiert worden. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde es nie unterschrieben. Stattdessen schlug der bayerische Kulturminister Goppel Katharina Wagner und ihrer Schwester Eva Wagner-Pasquier vor, sich gemeinsam zu bewerben, um Wolfgang Wagner zum Rücktritt zu bewegen. Katharina Wagner war trotzdem ein halbes Jahr nach dem vergeblichen ersten Vorstoß ihrer Anwälte tatsächlich zur Geschäftsführerin avanciert - freilich nicht der Bayreuther Festspiele GmbH, sondern der im Januar 2008 mit einem Stammkapital von 25.000 Euro neu gegründeten BF Medien GmbH.

          Katharina Wagner hält als Gesellschafterin 30 Prozent der Anteile, die Bayreuther Festspiele GmbH die restlichen 70 Prozent. Die rechtlichen Beziehungen zwischen der Mediengesellschaft und der Festspielgesellschaft liegen nicht offen. Als Zweck der neu gegründeten Gesellschaft nennt die Satzung die „gewerbliche Nutzung von Rechten und Produkten aus dem Bereich der darstellenden Kunst, insbesondere des Musiktheaters“. Wie die Verträge über eine Verwertung von Produkten der Festspiele aussehen, ist nicht bekannt. Bekannt ist jedoch, dass Katharina Wagner an den Gewinnen der Gesellschaft mit 30 Prozent beteiligt ist. Hieran knüpften sich bereits Einwände der künftigen Gesellschafter der Festspiele GmbH. Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in ihrer letzten Ausgabe berichtete, kritisierten Goppel und die „Gesellschaft der Freunde“ diesen Sachverhalt (siehe auch: Familienunternehmen: Die Firma Bayreuth). „Das hat einen negativen Beigeschmack“, sagte der Vorsitzende der Freunde Bayreuths, Karl Gerhard Schmidt. Und Minister Goppel betonte: „Die BF Medien in ihrer derzeitigen Form kann bei einer Neuordnung sicherlich nicht Bestand haben.“

          Ohne Gewinnerwartung

          Fast problematischer noch als die Gewinnbeteiligung Katharina Wagners erscheint der Umstand, dass sie nach der Satzung der BF Medien GmbH eine Sperrminorität innehat. Sowohl die Kündigung und Bestellung von Geschäftsführern als auch Abschluss und Auflösung von Verträgen mit der Festspiele GmbH können nur mit einer Mehrheit von 75 Prozent des Kapitals erfolgen, das bedeutet: nur mit Katharina Wagners Zustimmung. Man kann sich zudem fragen, warum die gewerblichen Rechte an den Bayreuther Festspielen überhaupt von einer kommerziellen Mediengesellschaft wahrgenommen werden sollen, während die defizitäre Durchführung der Festspiele der gemeinnützigen und von der öffentlichen Hand mitfinanzierten Festspielgesellschaft obliegt. Das Argument, die Festspielgesellschaft dürfe, da gemeinnützig, keinen Profit erzielen, erklärt das Konstrukt nur scheinbar. Bekannte doch Katharina Wagner nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ jüngst selbst, sie halte es für „recht unwahrscheinlich, dass die Medien GmbH jemals Gewinn machen wird“. So drängt sich der Eindruck auf, die Medien GmbH sei in erster Linie gegründet worden, um Katharina Wagner noch vor der Wahl einer neuen Festspielleitung eine maximale Einflussnahme auf die Festspiele und auf ihr Bild in der Öffentlichkeit zu sichern.

          Ob ihre medialen Strategien tatsächlich so erfolgreich sind, wie es ihr Eindrucksmanagement glauben machen möchte, darf indes bezweifelt werden. Der noch vor Festspielbeginn vollmundig als Bestandteil einer Reform angepriesene „Live-Stream“ der diesjährigen „Meistersinger“-Premiere in der Regie Katharina Wagners jedenfalls war dem Vernehmen nach ein Flop. Von 10.000 bereitgestellten Internetzugängen zum Preis von 49 Euro sollen nicht mehr als rund 1000 tatsächlich genutzt worden sein. Im Büro der BF Medien versuchte man, den Misserfolg mit schönen Worten zu verschleiern. Das Pressebüro der Festspiele wollte keine Auskunft geben. Alexander Busche, der Ansprechpartner in der BF Medien, schwärmte, es sei alles fantastisch gelaufen und ein großer Erfolg gewesen. Auf die Frage, wie viele Menschen das Internetangebot denn genutzt hätten, zog er es vor, keine Antwort zu geben.

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