Austritte in München :
Die Akademie zerstreitet sich über die Pandemie

Patrick Bahners
Ein Kommentar von Patrick Bahners
Lesezeit: 3 Min.
Würdeformeln bis ins kleinste Ornament: Der Königsbau der Münchner Residenz ist der Sitz der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
Die Kritik des Präsidenten der Bayerischen Akademie der Schönen Künste an der Pandemiepolitik löst eine Krise der Akademie aus. Sechs Mitglieder quittieren die Übertreibungen eines maßlosen Kulturlobbyismus mit ihrem Austritt.

Der Freistaat Bayern hat die Bayerische Akademie der Schönen Künste zur „obersten Pflegestelle der Kunst“ bestimmt. Sie berät die Staatsregierung in künstlerischen Angelegenheiten und soll jederzeit „für die Würde der Kunst eintreten“. In einem langen Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ hat der Präsident der Akademie, der Architekturhistoriker Winfried Nerdinger, am 7. Mai die Ansicht geäußert, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hätten enthüllt, wie viel die Kunst dem Staat wert sei: nichts oder fast nichts. „Krisen ermöglichen eben auch einen Blick auf sonst eher verdeckte Strukturen und Hierarchien.“ Bis zur Wiedereröffnung der Theater werde „die Würde des Menschen durch den Friseur wiederhergestellt“, was Nerdinger „einfach erschreckend“ nannte.

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