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Blick zurück aufs „Bataclan“ : Eine Minute schweigen ist nicht genug

  • -Aktualisiert am

Das Bataclan in Paris, Ort des islamistischen Anschlags am 13. November 2015 - vor fünf Jahren Bild: dpa

Christophe Naudin überlebte vor fünf Jahren das Attentat auf den Pariser Konzertsaal „Le Bataclan“. Jetzt klagt er die französische Linke für ihre fehlende Haltung gegen den Islamismus an.

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          Im Falle eines Anschlags auf die Schule sei sein neues Klassenzimmer nicht ideal, schreibt der Geschichtslehrer Christophe Naudin am 7. September 2017 in sein Tagebuch. Es zeige direkt auf den Hof, habe große Fenster ohne Vorhänge, keine Möglichkeit, diskret zu flüchten: „Doch ich habe einen kleinen Abstellraum entdeckt, dort könnten wir uns verstecken. Sollten wir noch einmal eine ,Attentat-Übung‘ machen, werde ich es vorschlagen.“ Als das französische Bildungsministerium diese Art von Übung im Jahr zuvor einführt, jährliche Vorbereitungen der Schüler auf mögliche Terrorangriffe, meint er resigniert: „Meine Schüler werden nur lernen, dass die Attentäter reinkommen werden, wenn sie reinkommen wollen.“

          Christophe Naudin weiß, dass dem so ist. Er hat es selbst erlebt. Der zurückhaltende Mann Mitte vierzig ist einer von jenen Menschen, die am 13. November 2015 im Graben des Pariser Konzertsaals „Le Bataclan“ standen. Als er um 21 Uhr 44 ein letztes Foto seiner beiden Freunde Vincent und David machte, waren die drei Terroristen bereits in das Gebäude eingedrungen, knapp eine Minute später begannen sie mit Kalaschnikows in die Menge zu schießen. Vincent wurde, wie viele in dieser Ecke des Raums, in den ersten Minuten getötet, David warf sich zu Boden und überlebte, Naudin gelang es, sich mit anderen in einem Abstellraum zu verstecken. Es dauerte über zwei Stunden, bis man sie dort herausholte. Als die Polizisten sie aus dem Blutbad nach draußen führten, hatten zwei Angreifer sich gerade in die Luft gesprengt. Neunundachtzig Menschen starben im Bataclan, insgesamt wurden während der koordinierten Anschläge an diesem Abend auf Terrassen, Bars, Restaurants, Cafés und das Stade de France hundertdreißig Menschen getötet und über dreihundertfünfzig verletzt.

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