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Israel und die Palästinenser : Nur Verstehen führt zur Freiheit

  • -Aktualisiert am

Ein „Land ohne Volk“ war die Gegend keineswegs: Tiberias am See Genezareth auf einer kolorierten Aufnahme aus dem Jahr 1910. Bild: Picture-Alliance

Israels neue Regierung will über die Annexion von Teilen des Westjordanlands abstimmen lassen. Dahinter steckt eine fehlerhafte Ethik: Die Regierung muss ihr Verhältnis zu den Palästinensern überdenken. Ein Gastbeitrag.

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          Am 13. Mai wird die fünfunddreißigste Regierung des Staates Israel vereidigt, fünfundsiebzig Jahre nach Ende des Holocausts. In ihrem Koalitionsvertrag plant die neue Regierung eine Abstimmung der Regierung und/oder der Knesset über die Annexion von Teilen des Westjordanlandes (Jordantal und Siedlungen) auf der Grundlage des „Friedensplans“ der Trump-Administration. Dieser Plan ist ein weiterer Schritt weg von einem Friedensabkommen mit den Palästinensern. Er ist durch und durch katastrophal.

          Historisch gesehen, war die Tatsache, dass Israel eine funktionierende liberale Demokratie ist – oft als die einzige Demokratie im Nahen Osten bezeichnet –, sein wichtigstes Kapital, ein Kapital, das auch auf einem Anspruch auf beispielhafte Moral beruht, welche die Wurzel der jüdischen Existenz im Laufe der Geschichte war. Eine der zentralen Erklärungen der Tora, die in vielen Instruktionen aufgegriffen wird, lautet: „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du verfolgen.“ Das Streben nach Gerechtigkeit ist in der Tat ein fundamentaler Grundsatz des Judentums seit seinen Anfängen. Die universellen Lehren der jüdischen Tradition über die Verantwortung gegenüber allen Menschen und der ganzen Welt spiegeln ein tiefes Bekenntnis zu den ethischen Prinzipien von Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit wider. Aber Israel gibt dieses historische Kapital aus zwei miteinander verknüpften Gründen mit höchster Geschwindigkeit aus: der Ethik seiner Erinnerung an den Holocaust und seiner fortgesetzten Behandlung der Palästinenser.

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