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Islamisierung durch Puppen? : Salam aleikum, Barbie!

Barbie kennt alle Jobs: zuerst Model, dann Doktor der Astrophysik und jetzt Säbelfechterin (mit Hidschab). Bild: Mattel

Die berühmteste Puppe gibt es jetzt auch mit Kopftuch: Fängt so die Islamisierung des Westens an – oder geht es nur um die Verkaufszahlen auf einem unerschlossenen Absatzmarkt?

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          Es ist Barbies Schicksal, dass sie sich immer für Äußerlichkeiten rechtfertigen muss: wie viel Brustumfang, wie dick oder dünn die Taille, wie hell oder dunkel der Teint, wie kurz oder lang der Rock und wie hoch die Absätze der Schuhe, in denen sie Karriere macht. In 108 Berufen hat sie sich seit ihrer Erfindung 1959 erfolgreich ausprobiert. Sie begann als Model, wurde Modedesignerin, wurde in Astrophysik promoviert und 1965 wurde sie Astronautin. In den siebziger Jahren arbeitete sie als Chirurgin und trat bei Olympischen Spielen an. Dann kandidierte sie als Präsidentin und spielte für Dallas in der WNBA. Doch bei allem, was Barbie tat, erging es ihr, wie es im tatsächlichen Leben den meisten erfolgreichen Frauen ergeht: Das Gerede über ihr Aussehen reißt nie ab, und wenn sie beruflich noch so viele gläserne Decken eingerissen haben. Und auch jetzt, da es in Barbies Clique eine neue, außergewöhnliche Freundin gibt – sie ist Sportlerin und heißt Ibtihaj, wird vor allem wieder über Äußerlichkeiten diskutiert. Diesmal allerdings unter anderen Vorzeichen: In der Kritik stehen nicht übertriebene Sexiness oder zu wenig Stoff, bemängelt wird jetzt genau das Gegenteil.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Am Montag hat die Firma Mattel in New York eine neue Barbie-Puppe vorgestellt. Sie ist Teil der sogenannten „Sheroes“-Kollektion (der Name setzt sich aus „She“ und „Heroes“ zusammen), deren Puppen wirklichen Frauen nachempfunden sind. Die Neue ist eine Miniaturausgabe der 31-jährigen amerikanischen Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad. Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gewann sie Bronze. Als erste amerikanische Athletin trug die gläubige Muslimin dabei einen Hidschab Und dieses islamische Kopftuch, das Haar, Ohren, Hals und Schultern bedeckt, hat auch die Ibtihaj-Barbie an: Zum „Wettkampf-Outfit“ mit Säbel und Gesichtsmaske trägt sie ein weißes, zum „Ausgeh-Outfit“, das aus einer weißen Dschilbab, einem fußknöchellangen Mantel, besteht, ist ihr Haar mit einem schwarzen Hidschab verhüllt.

          Vorbehalte von allen Seiten

          Die Nachricht über die „Hidschab-Barbie“ hat in den sozialen Netzwerken diesseits und jenseits des Atlantiks einen gewaltigen Debattensturm ausgelöst. Wie eigentlich immer, wenn der Islam auf eine neue Art sichtbar wird, beschreibt dieser Streit die Welt so, als gäbe es nur diese beiden Gegensätze: auf der einen Seite die westliche, christlich-abendländische Kultur mit all ihren demokratischen Errungenschaften und Freiheiten; auf der anderen Seite den Islam, mit Unterdrückung, Terrorismus und gescheiterter Integration. Schon wittern die Abendlandsverteidiger eine „systematische Islamisierung“, die demnächst auf die allgemeine Einführung der Scharia hinauslaufen werde – zumal Apple, oh Schreck, fast gleichzeitig sein Hidschab-Emoji lanciert hat (eine dunkelhäutige Muslimin mit lilafarbenem Tuch). Sie posten Fotomontagen der Ibtihaj-Barbie mit Sprengstoffgürtel oder blaugeprügeltem Gesicht, weil der Islam ja bekanntlich gewalttätig und frauenfeindlich sei.

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