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Bärbel Bohley : Gerechtigkeit und Rechtsstaat

Die Bürgerrechtskämpferin Bärbel Bohley spricht am 4. November 1990 auf dem Alexanderplatz in Erinnerung an die Proteste im Jahr davor. Bild: Picture-Alliance

Wie eine Person mit einem Zitat verwächst, das sie nur vielleicht so gesagt hat: Eine quellenkritische Untersuchung zu Bärbel Bohleys berühmtem Diktum.

          12 Min.

          Wenige Aussprüche, hieß es am 1. September 1993 in diesem Feuilleton, seien „so häufig zitiert worden wie Bärbel Bohleys Diktum über die Gerechtigkeit, die man erwartet, und den Rechtsstaat, den man bekommen habe“. Unter den geflügelten Worten, welche die ostdeutsche Revolution hervorbrachte, hat die untrennbar mit der Malerin und Bürgerrechtlerin Bohley verbundene Sentenz die breitesten Schwingen ausgebildet.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Das Bohley-Diktum wird früher oder später immer zitiert, wenn mehr oder weniger feierlich Rückblick auf das Wendejahr 1989/90 gehalten wird. Die beiden herausragenden Antagonisten dieses historischen Moments haben den Ausspruch durch Verwendung in bilanzierenden Reden nobilitiert. Helmut Kohl sagte 1992 auf dem Deutschen Juristentag: „Besonders nachdenklich macht mich die Bemerkung von Frau Bärbel Bohley, die gesagt hat: ,Wir haben Gerechtigkeit erwartet und den Rechtsstaat bekommen.‘“ Und Erich Honecker erklärte im gleichen Jahr vor dem Berliner Landgericht: „Viele werden nach der Berührung mit dem Gesetz und dem Recht der BRD mit Frau Bohley, die uns Kommunisten verdammt, sagen: ,Gerechtigkeit haben wir gewollt. Den Rechtsstaat haben wir bekommen.‘“

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