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Badischer Kulturgüter-Streit : Jetzt ist psychologisches Gespür nötig

Gestern trat Prinz Bernhard von Baden in Stuttgart mit der verschärften Ankündigung auf: Er gedenke, eine gerichtliche Entscheidung über das Eigentum an den zwischen dem Markgrafenhaus und dem Land Baden-Württemberg umstrittenen Kulturgütern herbeizuführen. Seine Drohung läuft jedoch ins Leere.

          Jetzt gilt es, feines psychologisches Gespür an den Tag zu legen und Nachsicht zu üben: Allzu frustrierend haben sich die Dinge seit Jahresfrist aus Sicht des einst in Baden regierenden Hauses entwickelt. Radikale Auflehnung ist da verständlich. Gestern also trat Prinz Bernhard in Stuttgart auf mit der verschärften Ankündigung, womöglich eine gerichtliche Entscheidung über das Eigentum an den zwischen dem Markgrafenhaus und dem Land Baden-Württemberg umstrittenen Kulturgütern herbeizuführen.

          Er hält sein Haus nach wie vor für den Eigentümer, und dafür hat auch er eine eigene Expertenkommission gebildet. Psychologisch gesehen wiederum hat man es mit einem Agieren zu tun, das um jeden Preis das Reagieren des anderen provozieren will. Das Risiko, dass genau diese Reaktion ausbleibt, ist im vorliegenden Fall allerdings eminent. Denn gemach: Die Landesregierung von Baden-Württemberg muss beim Stand der Dinge überhaupt nichts - und schon gar keine Entscheidungen treffen, weder in Sachen der Kulturgüter noch in der Sache Salem.

          Das Land kann einfach abwarten

          Die Regierung hat derzeit kein Problem; sogar ihr Imageproblem hat sie im Griff, seit Ministerpräsident Oettinger klipp und klar erklärt hat, dass gar nichts geschehen werde, ehe die Experten, die seit Monaten im Auftrag des Landes an der schwierigen Frage des Eigentums arbeiten, die Resultate ihrer Recherchen nicht vorgelegt haben. Liegen diese dann - mit welchem Ausgang auch immer - vor, stellt sich die Lage so dar: Die Kulturgüter, an denen das Haus Baden Eigentum behauptet, sind im Besitz des Landes Baden-Württemberg. Das Land kann also einfach abwarten, dass das Markgrafenhaus klagt.

          Mit dem jüngsten Vorstoß des Prinzen verblasst, das ist bedauerlich, jeder Gedanke, er wäre noch an einer einvernehmlichen Lösung interessiert: Nicht einmal der Bitte der Landesregierung ist er gefolgt, mit Belegen die dreißig Millionen Euro zu untermauern, die er vom Land haben will, um seine Schulden für Salem zu tilgen. Nachdem er die Öffentlichkeit einschwor auf die Liebe zu Salem, sollen die Bürger nicht wissen, wofür er sein Geld ausgegeben hat. Dabei haben sie Salem mitfinanziert: Mindestens 5,5 Millionen Euro hat die öffentliche Hand in den vergangenen drei Jahrzehnten zur Erhaltung dieser Anlage beigesteuert - um sich nun sagen zu lassen, dass sie die Quittungen des Besitzers nichts angehen. Auch das ist eine Kränkung - psychologisch gesehen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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