https://www.faz.net/-gqz-9b89r

Ausstellung über Steve Bannon : Leere gelbe Bögen für die Propaganda

  • -Aktualisiert am

Einstürzende Häuser und spektakuläre Autounfälle

Der Holocaust ist Bannons Nonfiction-Agitprop zufolge ein Resultat von Atheismus (die Schuld gehe auf Nietzsche zurück); die Französische Revolution führte geradewegs in den Terror, weil sie sich auf die Menschenrechte stützte anstatt auf einen stabilen Glauben; Amerika war groß, wenn es dem Christentum und dem Schöpfer huldigt. Staal schneidet die sensationalistischen Sequenzen aus den Filmen heraus und montiert sie in thematischen Gruppen, wobei es ein Leichtes gewesen wäre, mit diesem Bildmaterial ein reißerisches Panorama mit wandgroßen Projektionen zu entwerfen. Doch laufen die Filmfundstücke auf kleinen Bildschirmen und bestätigen den betont nüchternen Gestus, mit dem die Ausstellung insgesamt auftritt und überzeugt.

Mit wenigen trockenen Setzungen als eigenen Werkzutaten kommentiert Staal das Schaffen Bannons. Auf einer Europalette stapelt er – zur kostenlosen Mitnahme – Saul Alinskys „Regeln für Radikale“, ein Handbuch von 1971 mit Anleitungen für organisierten, nachhaltigen sozialen Protest, über das die Studentin Hillary Clinton ihre Abschlussarbeit geschrieben hatte. In einem digitalen Stelenwald erklärt Staal die unsäglichen Meme, mit denen die Tea Party und die Alt-Right-Bewegung ihren „weißen Suprematismus“ zum Ausdruck bringen und den verhassten Barack Obama verunglimpfen. Schließlich steht da ein Tisch mit Dutzenden gelben Ordnern und Hunderten Bögen Papier neben einem Stehpult für den „President Elect“ – als wäre es ein Setting für eine Fotografie von Thomas Demand. Als Trump am 12. Januar 2017 vor der Presse erklärte, er werde seine Geschäfte an die Söhne abgeben, zeigte er mit großer Geste auf einen solchen Stapel gelber Aktenordner. Wie der britische „Independent“ herausfand, war sämtliches Papier unbeschrieben, reine Attrappe. Trump hatte die Öffentlichkeit dummdreist getäuscht.

Selten genug, dass sich die rechtspopulistische Website „Breitbart News“ der bildenden Kunst widmet, die Ausstellung in Rotterdam kommt hier vor. Ausführlich zitiert der Reporter (der sie offenkundig nicht besucht hat) Jonas Staal: Bannon habe die Gegenwart „als Ko-Autor mitverfasst“, seine Ideen seien in die Realität übergegangen. Ebendas zähle bei Propaganda – es reiche nicht, nur Botschaften auszusenden. Dass er Bannons Fähigkeiten, selbst wenn er seine Weltsicht nicht teile, ganz „eindeutig bewundere“, wie ihm der Autor andichtet, würde der niederländische Künstler sicherlich von sich weisen. Kühl widersteht er der Versuchung zur Polemik, sachlich durchdringt er die Demagogie von rechts. Gefragt sei in Kunst und Politik heute, so Staal, eine auf Fakten beruhende „überzeugende alternative Erzählung“. Auch dies lehrt seine Ausstellung: Wenn erfolgreicher Populismus von links genauso holzschnittartig und klischeehaft argumentieren muss wie der hier dekonstruierte von rechts, ist er kaum wünschenswert.

Weitere Themen

Topmeldungen

Der Afroamerikaner Jaques DeGraff lässt sich im Februar in New York gegen das Corona-Virus impfen.

Impfung gegen Corona : Die alte Angst der Afroamerikaner

In den Vereinigten Staaten lassen sich deutlich weniger Afroamerikaner impfen als Weiße. Das liegt auch an Erfahrungen, die Schwarze mit Gesundheitsbehörden gemacht haben. Viele kennen noch das Verbrechen von „Tuskegee“.
Robert Lewandowski (links) schießt noch ein Tor mehr als Erling Haaland.

FC Bayern besiegt Dortmund : Die große Show des Robert Lewandowski

Das Topspiel der Bundesliga wird zur Bühne der Torjäger. Haaland trifft früh doppelt für den BVB, doch die Bayern sind am Ende wieder stärker. Denn Lewandowski schießt noch mehr Tore als Haaland.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.