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Schau zur Potsdamer Konferenz : Auftakt zum Zeitalter der Angst

Die großen Drei: Winston Churchill, Harry S. Truman und Josef Stalin auf der Potsdamer Konferenz Bild: U. S. Army Signal Corps/Courtesy of Harry S. Truman Library

Vor fünfundsiebzig Jahren kamen die Staatschefs der Vereinigten Staaten, Großbritannien und der Sowjetunion im Schloss Cecilienhof in Potsdam zusammen, um eine Nachkriegsordnung zu finden. Eine Ausstellung am historischen Ort erzählt die Geschichte der Potsdamer Konferenz.

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          Eine Ausstellung, die von einer Konferenz handelt, könnte leicht selbst wie eine Konferenz aussehen: Ein Thema wird auf die Tagesordnung gesetzt, in Aspekte zerlegt, von Fachleuten geprüft und zur weiteren Behandlung empfohlen. Die Ausstellung zur Potsdamer Konferenz, die die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten im Schloss Cecilienhof eingerichtet hat, beginnt dagegen mit einer Fotowand aus sechs Einzelbildern. Man sieht einen abgezehrten Mann in der gestreiften Kleidung der Konzentrationslager, ein weinendes Kind vor Trümmern, russische Soldaten bei einer Siegesfeier, einen amerikanischen Soldaten zwischen Häuserruinen, eine Sammelstelle für deutsche Waffen und eine gesprengte Brücke. Die Ausstellung, erklären die Kuratoren Matthias Simmich und Jürgen Luh, solle nicht nur den Gang der Verhandlungen, sondern auch ihre Auswirkungen auf nahe und entfernte Winkel der Erde, auf Völker und Einzelschicksale zeigen. Und das tut sie.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Deshalb ist die erste Person, die man in Cecilienhof kennenlernt, auch kein Staatsmann oder General, sondern eine Frau, Joy Milward. Sie kam im Juli 1945 als Sekretärin der britischen Delegation nach Potsdam, war neunzehn Jahre alt und wusste, dass die Konferenz, an der sie teilnahm, Geschichte schreiben würde. Darum hielt sie ihre Erlebnisse, zusammen mit Fotos und Zeitungsartikeln, in einem Tagebuch fest, nicht im Duktus einer Expertin, sondern im Ton eines Teenagers, der seine erste große Reise macht. Die Douglas C-47, mit der sie fliegt, „gilt als bequemste aller Transportmaschinen“, schreibt Milward. Sie wünschte, sie hätte Berlin vor dem Krieg gesehen, notiert sie nach einer Stadtrundfahrt. Und über die Ankunft in Potsdam berichtet sie, ihre Delegation werde jetzt „im Hollywood von Deutschland“ wohnen.

          Stalin kam durch den Seiteneingang

          Dieses deutsche Hollywood war erst drei Monate zuvor von der Roten Armee erobert worden. Das Stadtzentrum hatte die Royal Air Force noch am 14. April großflächig zerbombt, aber die Villenviertel am Griebnitzsee und die preußischen Schlösser im Grüngürtel hatten das Kriegsende fast unbeschädigt überstanden. Hier ließ Stalin, in dessen Besatzungszone Potsdam lag, das Treffen der drei Siegermächte stattfinden, auch deshalb, weil er sich dadurch Zugeständnisse der Westalliierten bei der Frage der Reparationen erhoffte: Ihre Politiker sollten sehen, dass Deutschland noch immer ein reiches Land war.

          Die Villa, in der der britische Premier Winston Churchill wohnte, war von Mies van der Rohe erbaut worden, während der amerikanische Präsident Truman im Haus einer Verlegerfamilie logierte. Stalins Residenz, die Villa des Pelzhändlers Herpich, war weniger prächtig, dafür lag sie näher am Konferenzort Cecilienhof. Während Truman und Churchill dort für jedermann sichtbar durch die Vordereingänge ankamen, schlüpfte der stets ängstliche russische Diktator durch eine Seitentür.

          Über dem Treffen hing der Schatten von Versailles

          Im Vorzimmer zum Konferenzsaal haben die Kuratoren einige der Berater, die mit den drei Staatsführern am Verhandlungstisch saßen, als Plexiglasfiguren postiert: den britischen Außenminister Anthony Eden und seinen Nachfolger Bevin, den amerikanischen Admiral Leahy, den britischen Feldmarschall Brooke und seinen sowjetischen Kollegen Schukow. Direkt hinter Brooke steht Andrej Gromyko, der als Vertrauter von Stalins Außenminister Molotow an der Konferenz teilnahm. Gromyko wurde 1957 Außenminister der Sowjetunion und blieb es bis zum Amtsantritt Michael Gorbatschows.

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