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Ausbau des Kanzleramts : Neuer deutscher Größenwahnsinn

Kleiner ginge nicht, sagt das Kanzleramt zur geplanten Erweiterung. Bild: DAVIDS/Sven Darmer

Das nicht eben kleine Bundeskanzleramt am Spreebogen in Berlin soll für etwa eine halbe Milliarde Euro erweitert werden – aber warum?

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          Vor etwas mehr als fünfzig Jahren beschloss die damals in Bonn ansässige sozialliberale Koalition unter Willy Brandt, sich ein neues Kanzleramt zu bauen. Der Bau wurde 1976 fertiggestellt und verkörperte alles, was man an der Bonner Republik mögen oder nicht mögen konnte: Während andere Herrscher im Elyséepalast oder im Weißen Haus residierten, war das neue Bundeskanzleramt – wie schon der elegant-amerikanisch anmutende Kanzlerbungalow, den Sep Ruf entworfen hatte – ein vergleichsweise bescheidener Bau in Verwaltungssitz-Ästhetik, der sich in einen Park duckte und vor allem eine sachliche Atmosphäre ausstrahlte. Jeder Theaterdonner wurde, auch mit Blick auf die vor 1945 dominante Überwältigungsästhetik, vermieden, Politik als Reihe rationaler Verwaltungsakte inszeniert – wenn man das Kanzleramt denn überhaupt zu sehen bekam; meistens zeigten die Nachrichten nur die Einfahrt in den Park, so dass der Eindruck entstehen konnte, Deutschland werde aus schwarzen, durch einen Park zirkulierenden Mercedes-Limousinen heraus regiert.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Dieser Staatsästhetik des Bescheiden-Sachlichen, bis zur Unsichtbarkeit Weggeduckten setzten die Gewinner des Wettbewerbs für ein neues Kanzleramt im Herzen Berlins, Charlotte Frank und Axel Schultes, 1997 etwas ganz anderes entgegen. Das neue Kanzleramt, das wie eine gigantische Sphinx an der Spree thront, war bautypologisch ein gigantisches „Hotel“, dessen zwei monumentale Büroflügel einen Hof einrahmen, der sich mit heiter einhertanzenden Stelen zu einem riesigen Platz öffnet. Trotz dieser heiteren, eine Öffnung zum Volk hin symbolisierenden Geste war das neue Kanzleramt vor allem: groß. Über den „Charme einer rheinischen Sparkasse“ (Helmut Schmidt) und mangelnde Sichtbarkeit konnte man sich hier jedenfalls nicht beschweren: Ob man es nicht ein wenig kleiner habe, murrte sogar der ansonsten großen, glänzenden Dingen ja nicht generell abgeneigte damalige Kanzler Schröder, als er 2001 den Bau bezog, der mit einer Höhe von 36 Metern die gerade festgelegte Berliner Maximaltraufhöhe von 22 Metern deutlich überragte und mit einer Bruttogeschossfläche von über 64.000 Quadratmetern das größte Regierungsgebäude der Welt ist. Das Kanzleramt ist jetzt schon rund achtmal so groß wie das Weiße Haus in Washington (wobei dort einige Funktionen in Nebengebäude ausgelagert sind).

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