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Ende einer Ära : Meine Merkel

Angela Merkel, Bayreuth 2013 Bild: People Picture/Willi Schneider

Sie war zuerst ein Vorbild, dann eine Entschuldigung und immer wieder eine Schuldige. Wie ich mit der ersten deutschen Bundeskanzlerin aufwuchs und erwachsen wurde.

          5 Min.

          Es war im Politikkurs, in der elften Klasse: Angela Merkel war jetzt Kanzlerin und ich Angela Merkel. Das dachte ich damals, weil ich am Tag ihrer Vereidigung das einzige Mädchen in dem Politikkurs war, Angela Merkel die einzige Frau in der Politik. Ja, ich wusste da nicht viel von Frauen in der Politik. Anderes war wichtiger und größer: die Hautprobleme und die Jeans – sie mussten so tief sitzen, dass jeder die Hüftknochen sah –, und wenn schon Politik, dann nur normales Gegen-Krieg-Sein. Es war das normale Teenagerleben.

          Anna Prizkau

          Redakteurin im Feuilleton.

          Und dann kam Merkel. Aber nicht in den Unterricht, denn da war 1904 und Afrika, sehr lehrplanmäßig ging es um Kolonien des Kaiserreichs und deutsche Schlachten. An diesem dunklen Wintertag, es war die neunte Stunde, schaute ich aus dem Fenster und dachte daran, ob sich Angela Merkel jetzt so fühlte, wie ich in diesem Kurs mit diesen vielen Jungs mich fühlte, einsam und falsch also. Dann sagte ich wie ferngelenkt und mitten in den Deutsch-Südwest-Herero-Satz des Lehrers: „Können wir nicht mal über die Kanzlerin sprechen?“ – „Kannst du mit deiner Mutter!“, sagte ein superblasser Halbjunge-Halbmann hinter mir. Und alle lachten. Über mich. Vielleicht auch über sie. Der Lehrer schwieg.

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