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Weinkunde aus dem Vatikan : Im Wein liegt das Wunder

  • Aktualisiert am

Während einer katholischen Messe vollzieht ein Priester die Wandlung. Bild: Picture-Alliance

Nach der Lehre der katholischen Kirche wird Jesus Christus durch die substantielle Verwandlung von Brot und Wein im Gottesdienst gegenwärtig. Ein Biochemiker erklärt nun, wieso sich gerade der Wein fürs Heilige eignet.

          Mit der Heiligkeit des Weines im Unterschied zu Wasser befasst sich ein naturwissenschaftlicher Gastbeitrag der Vatikan-Zeitung „Osservatore Romano“. Begründet sei die Besonderheit gegorenen Traubensaftes unter anderem in der Geselligkeit von Kohlenstoffatomen, schreibt der italienische Biochemiker und Mediziner Gian-Paolo Dotto in dem Beitrag „Bescheidenheit und Heiligkeit des Weines“.

          Wasser sei stets dasselbe, Wein hingegen stets anders, individuell und wandle sich sowohl während der Produktion wie des Genusses durch den Menschen, so Dotto. Wichtigster Faktor dafür sei der Alkohol. Weil Äthanolmoleküle im Unterschied zu Wasser auch aus zwei Kohlenstoffatomen aufgebaut seien, könne Alkohol sich perfekt sowohl mit Wasser wie mit den anderen Bestandteilen des Weines mischen.

          Anders als Wasser- und Sauerstoff liebten Kohlenstoffatome es, „sich zu paaren und ihre Elektronen zu teilen“. Auf diese Weise bildeten sie vielgestaltige Molekülketten und -ringe, die chemische Grundlage für Struktur und Dynamik jeder Form von Leben. Des Weiteren handelt der Naturwissenschaftler von den physiologischen Folgen des Weines, von der Leberschädigung durch überzogenen Alkoholgenuss bis zur inspirierenden Wirkung des Weines im Gehirn.

          Von dort landet Dotto auch beim medizinischen Nutzen der Betäubung, der in der modernen Medizin jedoch ersetzt werde durch Äther - der „ebenfalls mit zwei Kohlenstoffatomen gebaut“ sei. Nach einem Exkurs zur Kulturgeschichte des Weines und Weinbaus im Mittelmeerraum endet der Biochemiker und Mediziner bei der theologischen Bedeutung des Weines, der sicher nicht grundlos Gegenstand des ersten Wunders Jesu in Kanaa gewesen sei.

          Seine Gedanken zur Heiligkeit des Weines beendet der Autor mit dem Hinweis, er sei weder Theologe noch Önologe, sondern „einfach Liebhaber eines guten Tropfens in Gesellschaft“, vor allem wenn es sich um Rotwein handle.

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