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Aufruf an die Kirchen : Macht Jom Kippur zum Feiertag!

  • -Aktualisiert am

Kerzen- und Menschenketten vor der jüdischen Synagoge in Halle am 11. Oktober 2019. Bild: AP

Gegen den wachsenden Antisemitismus in Deutschland sollten die Kirchen ein Zeichen setzen. Der Vorschlag eines Theologen: Opfern wir den Pfingstmontag, um ein jüdisches Fest zum staatlichen Feiertag zu machen.

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          Ronald S. Lauder, Präsident des World Jewish Congress, hat der deutschen Justiz und Polizei vorgeworfen, den grassierenden Antisemitismus nicht entschieden genug zu bekämpfen (F.A.Z. vom 25.Oktober). Zu Recht klagt er einen besseren Schutz von Synagogen und jüdischen Einrichtungen sowie ein umfassendes „Maßnahmenpaket“ mit einer Erweiterung der rechtlichen Definition von Antisemitismus ein. Doch mit neuen baulichen Sicherheitsmaßnahmen, mehr Polizeipräsenz, Antisemitismusbeauftragten von Bund und Ländern sowie besserer historischer Bildung in den Schulen ist es nicht getan.

          Jeder vierte Deutsche ist laut neueren Studien und Erhebungen ein Antisemit. Auch in den Funktionseliten finden sich antijüdische Ressentiments. Der Kampf des Staates gegen den wachsenden Antisemitismus wird nur erfolgreich sein, wenn sich auch zivilgesellschaftliche Akteure entschieden gegen den teils neuen, teils alten Antisemitismus von links und rechts engagieren. Besonders gefragt sind hier die christlichen Kirchen im Lande. Ihre führenden Vertreter bekunden immer wieder ihre Freude darüber, dass jüdische Deutsche hier leben und gerade aus Israel viele junge Juden nach Deutschland, vor allem Berlin, kommen. Mit ritueller Verlässlichkeit distanzieren sie sich von allem Judenhass, und nach Attacken auf jüdische Bürger äußern sie sich öffentlich entsetzt. Wer die Geschichte der christlichen Judenfeindschaft im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert kennt, kann in den klaren Worten prominenter Kirchenvertreter nur einen erfreulichen Fortschritt erkennen. Allerdings folgen ihren Worten selten Taten.

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