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Audis „Erlkönig“ anno 2004 : Vorsprung durch Versmaß

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? – Siehst Vater, du den Dieselskandal nicht? Auch dieser Audi-Erlkönig fährt einer unsicheren Zukunft entgegen. Bild: Action Press

Ein Audi-Entwickler hat schon vor sechzehn Jahren ein Spottgedicht über die Abgas-Manipulation im eigenen Haus verfasst – aus Freude am Reimen und mit einem ganzen Kofferraum voll dunkler Vorahnungen.

          Ein Gedicht soll entweder vortrefflich sein oder gar nicht existieren“, schreibt Goethe im „Wilhelm Meister“. Die Verse des Anonymus, die wir an dieser Stelle vorstellen, klingen, als stammten sie aus der Feder von Jan Böhmermann. In den Zeilen wird eine Mischung aus krimineller Energie, Hybris und Naivität manifest, die fast zu offensichtlich ist, um authentisch zu sein. Sollte die Spottballade  „Der Erlkönig anno 2004“ tatsächlich ein Mitarbeiter des Ingolstädter Automobilkonzerns bereits im Mai 2003 verfasst haben, wie der Bayerische Rundfunk vermeldet, dem vertrauliche Dokumente zu illegalen Abschalteinrichtungen bei Audi zugespielt wurden, so wird sich nicht nur der selbsternannte Poet die Frage nach der Vortrefflichkeit seiner Zeilen stellen. Dass Lyrik keine Spartenveranstaltung ist, belegt der Audi-Poet aufs trefflichste. Denn welches Poem kann für sich in Anspruch nehmen, als Beweismaterial für zu erwartende Gerichtsverfahren in einem der größten Wirtschaftsskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte herzuhalten?

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          In der Prosa und der Schauerliteratur ist Ingolstadt längst eine feste Größe. Nicht nur durch Marieluise Fleißers Drama „Fegefeuer in Ingolstadt“, auch Mary Shelley ließ auf einem Ingolstädter Dachboden 1818 ihr namenloses Monstrum zur Welt kommen. In ihrem Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ ist es der Schweizer Student Victor Frankenstein, der sich hier in die Idee eines „schmutzigen Schöpfungswerks“ verbeißt.

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          Unbekannter Dichter: Der Erlkönig anno 2004

          Wer rennt so spät Meile um Meile?
          Es ist der Serienbetreuer in wilder Eile!
          Er hält sein Omniprog fest im Arm,
          und auch sein Ecoute ist schon warm.

          „Mein Serienbetreuer, was birgst du so bang dein Gesicht?“
          Siehst, Kunde, du den CARB Officer nicht?
          Den Ami mit Scantool und Handschellen? –
          „Mein Betreuer – es ist nur ein Provinzsheriff.“

          „Defeat device, komm her zu mir!
          Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
          Manch’ Schweinerei liegt auf der Hand,
          die ich will verdecken mit nem Hystereseband.“

          Mein Betreuer, und Du Kunde, höret Ihr nicht,
          was der Aggregator uns leise verspricht? –
          „Seid ruhig, bleibt cool, wahrt Euer Gesicht
          es murrt nur der TÜV, die Carb merkt das nicht.“

          „Willst feine Diagnose, du mit mir gehn?
          Mein Disablebit soll dich wiegen schön,
          meine appl incs werden Dein RBM verbiegen,
          so daß wir beim Auslesen immer gut liegen!“

          Mein Betreuer, mein Kunde, und siehst du nicht dort
          des Officers accuse am Supreme Court? –
          „Mein Kunde, mein Betreuer, mit deutschem Bier man
          den gewinnt; denn unsere Ausrede, die glaubt der bestimmt.“

          „Ich liebe dich, laß uns machen nen schnellen Patch;
          und dann lösch ich das Fehlerbit im power latch.“
          Mein Kunde, mein Betreuer, der Officer naht heran!
          Mit dem Scantool hat er mir ein Leid angetan!

          Dem Kunden graust’s, er gelobt Rückruf geschwind,
          und dem Projektleiter das Blut gerinnt;
          er flasht die Flotte mit Müh’ und Not,
          jedoch zu spät – die Readiness bleibt tot.