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Queere Buchhandlung attackiert : Genozid durch Gentrifizierung

Auf die Auswahl kommt es an: Auslage in der Buchhandlung „She said“ Bild: Julia Zimmermann

Die Berliner Buchhandlung „She said“ will Literatur von Frauen und queeren Menschen stärken. Zwei Künstler greifen sie an, um alle Deutschen zu treffen. Eine Episode aus dem gegenwärtigen Kulturkrieg.

          8 Min.

          Ein Märchen wird wahr. Mitten in Berlin. Eine junge Frau erfüllt sich ihren Kindheitstraum. Die Covid-19-Seuche erzwingt, dass überall in Deutschland die Ladengeschäfte schließen. Viele von ihnen für immer. In Berlin dürfen die Buchhandlungen geöffnet bleiben, und Emilia von Senger, so heißt die junge Frau, kann sogar eine neue Buchhandlung eröffnen. Das Ladengeschäft befindet sich am Kottbusser Damm, im Grenzgebiet von Neukölln und Kreuzberg. „She said“ nahm im Dezember 2020 den Betrieb auf. Die Eröffnung des in den Laden integrierten Cafés muss noch warten. Der Name der Buchhandlung ist von einem Buch inspiriert: „Sagte sie“, erschienen 2018 bei Hanser Berlin, „17 Erzählungen über Sex und Macht“, verfasst ausschließlich von Frauen.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Das Konzept des Buches trägt der Erfahrung Rechnung, dass sich in der sozialen Wirklichkeit sehr oft die männliche Perspektive durchsetzt, wenn in einem öffentlichen Konflikt über intime Angelegenheiten eine männliche und eine weibliche Erzählung gegeneinanderstehen. Das Konzept der Buchhandlung ist der Gedanke, dass diese von der patriarchalischen Gesellschaft überhörten und mundtot gemachten Erzählstimmen ihren eigenen Raum bekommen sollen. In den Regalen von „She said“ stehen dabei nun nicht nur Autoren weiblichen Geschlechts. Der Konzept der feministischen Buchläden alten Typs wird zeitgemäß erweitert: Vorgehalten wird, wie es einer der zahlreichen Artikel formulierte, die über Emilia von Sengers Projekt vornehmlich in Internetmedien erschienen sind, „Papier, das ausschließlich von Frauen und queeren Personen beschrieben wurde“. Autorinnen und „Autor*innen“, die von der heterosexuellen Norm abweichen, gelten hier als natürliche oder geborene Verbündete – so könnte man sagen, aber man müsste andere Adjektive verwenden.

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