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Asli Erdogan über die Türkei : Das Wort „Faschismus“

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Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan wirft der Regierung ihres Heimatlandes unmenschliches Vorgehen gegen Kritiker vor. Bild: Imago

„Ich dachte erst, dass sie bluffen. Aber sie verurteilen wirklich“: Die Schriftstellerin Asli Erdogan veröffentlicht ihr neues Buch „Das Haus aus Stein“ und äußert sich zur Lage in der Türkei.

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          Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan wirft der Regierung ihres Heimatlandes unmenschliches Vorgehen gegen Kritiker vor. „Vielleicht ist nun wirklich die Zeit gekommen, das Wort ,Faschismus‘ zu benutzen“, sagte die Schriftstellerin in Frankfurt anlässlich der Veröffentlichung der deutschen Übersetzung ihres Romans „Das Haus aus Stein“. „Ich dachte erst, dass sie bluffen. Aber sie verurteilen wirklich“, sagte Asli Erdogan mit Blick auf den Schriftsteller Ahmet Altan, der eine lebenslange Haftstrafe absitzt. Dabei seien „Journalisten und Schriftsteller“ noch besser dran als andere: „Über sie wird berichtet. Sie haben Öffentlichkeit.“ Ärzte und Anwälte würden verfolgt, im Gefängnis säßen auch viele Schüler und Studenten, über die niemand berichte.

          Asli Erdogan saß nach dem gescheiterten Militärputsch 2016 beinahe ein halbes Jahr lang im Gefängnis. Sie ist in der Türkei wegen angeblicher Propaganda für eine terroristische Vereinigung angeklagt, ihr droht lebenslange Haft. Seit Oktober 2017 lebt sie in Frankfurt im Exil. Ihr Roman „Das Haus aus Stein“ ist in der Türkei 2009 erschienen. Er handelt von Gefangenschaft, Folter und dem Verlust aller Sicherheiten. Nun erschien die deutsche Übersetzung im Münchner Penguin Verlag. Für die deutsche Ausgabe hat Asli Erdogan einen Essay über ihre eigene Haftzeit ergänzt.

          Der Grund ihrer Verhaftung sei ihre Solidarität mit den Kurden gewesen, sagte Asli Erdogan. Sie hatte in der Zeitung „Özgür Gündem“ einen Artikel über das Vorgehen türkischer Sicherheitskräfte in der Stadt Cizre im Südosten des Landes veröffentlicht. Dort waren Anfang 2016 bei Operationen gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK mehrere Zivilisten getötet worden. „Die Türkei hat in Cizre große Schuld auf sich geladen“, sagte Asli Erdogan. Im August 2016 wurde sie verhaftet, etwa einen Monat nach dem gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli. Der Prozess gegen sie begann Ende Dezember 2016. In dem Monat unmittelbar nach dem Putschversuch waren in der Türkei 35000 Menschen verhaftet und 130 Zeitungen und Medienanstalten verboten worden.

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